Net News Express

Montag, 20. Dezember 2010

Blutige Handy´s unterm Weihnachtsbaum (Zweiteiler)



Tja, nach der Aufgabe meiner 4 jährigen Selbstständigkeit arbeite ich nun als IT-Systemelektroniker mit Dienstwagen und Dienstlaptop, „Überall Internet“ und drei Diensthandys samt „Knopf“ im Ohr. Bin ständig mit modernsten Messgeräten unterwegs von Einsatzort zu Einsatzort und werde bei jedem Einsatz vor eine neue Herausforderung gestellt. Immer mehr Technik ist in den Firmen und Haushalten zu erkennen und von Menschen wie mir instand zu halten. So spannend sich das Ganze auch anhört, so ist doch nicht alles Gold was glänzt. Ich bin nämlich von meinem eigentlichen Arbeitgeber ausgeliehen an ein anderes Unternehmen, welches als Subunternehmen für einen großen Provider arbeitet. Alle drei Unternehmen haben mir gegenüber Weisungsbefugnis, was eine fürchterliche Bürokratie nach sich zieht. Meine ganze Arbeit wird von mir selbst dokumentiert und sofort online gestellt, sodass eine unmittelbare Kontrolle des geleisteten vorgenommen werden kann. Das ist unter Umständen nicht nur ganz schön nervig, sondern fordert auch unheimlich viel technischen Aufwand und Zeit. Im Verlauf einer Arbeitswoche verballere ich bei meinen Einsätzen eine Unzahl an Set Top Boxen, Home-Servern, HD Rekordern, Modems, Routern und vielem mehr. Hierbei handelt es sich um gesponserte Geräte die defekte ersetzen, oder Geräte von Neuabschlüssen…eine wahre Materialschlacht. Ähnlich sieht es im Handysektor aus, verlängert man einen Vertrag oder schließt einen neuen ab, bekommt man sofort ein neues Handy. Wo kommen die ganzen Geräte eigentlich her, die so vermeintlich großzügig von allen Providern dieser Welt zu Verträgen ausgegeben werden….wer bezahlt dafür wirklich? Und wie? Aus Providersicht ist alles ganz einfach, der Verbraucher zahlt mit seinen langfristigen Verträgen das Ganze, die Geräte werden beim Hersteller bezogen und fertig. Interessanter ist da schon die Sicht auf den Hersteller! Wo kommen die ganzen Rohstoffe für den Technikwahn her? Jeder von uns besitzt doch schon mindestens drei Handys und überlegt bereits jetzt welches neue Gerät er bei einer Vertragsverlängerung bekommen würde. Wie kann es sein das modernste Technik quasi zum Schleuderpreis zur Verfügung gestellt werden kann. Frank Piaseki Poulsen ist dieser Frage in der WDR Dokumentation „Blutige Handys“ nachgegangen. Poulsen hat sich als treuer Nokia Kunde seinen favorisierten Technikhersteller dafür ausgesucht. Er tat dies nicht zu letzt weil er hoffte sein Gewissen etwas beruhigen zu können, da er schlimme Infos über einen Krieg erhalten hatte, der durch die übermäßige Produktion von Handys am Leben gehalten wird. Er wollte einfach wissen wo diese Verschwendung von Rohstoffen überhaupt beginnt. Wo kommen die Rohstoffe her? Wer profitiert? Ist der Hersteller überhaupt über seine Rohstoffzulieferer informiert und produziert diese haltlose Technikprasserei in den Industrieländern etwa Leid in anderen Teilen der Welt? Zuerst führte Ihn sein Weg auf den Weltkongress für Mobiltelefone, an einen Nokia Stand. Dort wurde er ständig vertröstet und mit Floskeln abgespeist. Dann wandte sich Poulsen mit seinen Informationen zum „Handykrieg im Kongo“ an die Pressestelle von Nokia, auch hier tat man so als wüsste man von nichts und wimmelte Ihn ab. Seine Recherchen ergaben aber immer schlimmere Details, so erfuhr er, dass dieser Krieg im Kongo schon fast 15 Jahre andauert. Im Zuge dieses Krieges sind bis heute nach UNO Berichten bereits über 5 Millionen Menschen gestorben und ca. 300.000 Frauen sind vergewaltigt worden. International Branchenbekannt sind diese Tatsachen bereits seit 2007, komisch nur das angeblich keiner bei Nokia was davon weiß. Da Poulsen von seinem Handyhersteller keine Antworten zu diesem Thema bekam, Flog er in den Kongo um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Er traf dort auf marodierende Militärs, die willkürlich Schutzgeld und Filmgebühren verlangten, Korrupte Staatsdiener wie einen hochkarätigen Beamten des Bergbauministeriums in Kinshasa, Herrn Kampe Kampe. Dieser findet nichts dabei wenn er Geld von ausländischen Konzernen für Bergbaulizenzen annimmt, dieses Geld aber für seine Eigene Firma verwendet, obwohl diese Mittel eigentlich dem Staat Kongo zuständen! Jeder hier scheint Korrupt zu sein und die einzige Möglichkeit im Kongo sicher von A nach B zu gelangen scheinen gelegentliche UNO Flüge im Land zu sein und so begibt sich Poulsen zur UNO nach Goma. In kein anderes Land der Welt hat die UNO übrigens mehr „Friedenstruppen“ geschickt als in den Kongo…offiziell geht es um den Schutz der Zivilbevölkerung gegen die Milizen die überall im Land unterwegs sind. Fakt aber ist aber, dass die Blauhelme die größeren Städte im Land überhaupt nicht verlassen und so ein Schutz der Bevölkerung durch die UNO gar nicht möglich ist. Dazu später mehr…. Das Hauptgebiet der krisenbehafteten Mineralienförderung des Kongo ist die Provinz Walikali. Gefördert wird dort auch unter anderem Kassiterit oder auch Nadelzinn(erz), ein Rohstoff der in nahezu jedem elektronischen Gerät vorkommt nämlich in Form von Weichlot, welcher zum löten von Platinen, IC´s und sonstigen Bauteilen benötigt wird. Die Erlöse dieser „seltenen Erden“ finanzieren die verfeindeten Parteien „Simba“ „Brigade 85“ und viele andere mehr die reihenweise Zivilisten töten. Auch die offizielle Armee mischt kräftig mit. All das geht aus einem UNO-Bericht hervor über den Major Raman, der zuständige Offizier des Krisengebietes nicht sprechen will.

Hier mache ich jetzt einen kurzen Schnitt, da ich nun einem sehr menschlichen Bedürfnis nachgeben muss….Ich bin nämlich hundemüde und muss gleich um 5:00 wieder raus! Aber Keine Sorge der zweite Teil dieser Dokumentationsbeschreibung folgt noch vor Weihnachten. Versprochen!!! Bis dahin….und legt keine vertragsbehafteten Elektrogeräte unter den Weihnachtsbaum! ;o)

Liebe Grüße

Euer Micha

Blutige Handys Teil - Quelle
Schade das solche tollen Dokus ständig aus vorgeschobenen Gründen gelöscht werden, manchmal komme ich nicht so schnell mit einer neuen Quelle hinterher wie es eigentlich sein sollte. Wenn Ihr also in meinem Blog eine gesperrte Quelle entdeckt, bitte ich kurz um eine Mail, damit ich diese erneuern kann. Vielen Dank!!!

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