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Sonntag, 5. August 2012

London 2012 ein Spektakel - oder zielsicher am eigentlichen Sinn vorbei!

                                          Bildquelle: TAZ

Wenn man dieser Tage durch London schreitet,  kommt man nicht um die Farben Grau und Olivgrün herum. Mit der Angst vor einem eventuellen Terroranschlag kam auch die Royal Army in die Stadt. Mit insgesamt 17.000 Soldaten zur Sicherung der Spiele handelt es sich um die größte Militäroperation auf britischem Boden nach dem 2. Weltkrieg. Raketen- und Flagstellungen auf Wohnhäusern findet man genauso, wie Kriegsschiffe auf der Themse oder schwerbewaffnete Zugangskontrollen und Checkpoints. Neben den, bis jetzt 17.000 Soldaten sollte die weltgrößte Sicherheitsfirma "G4S" 10.000 private Sicherheitskräfte zur Verfügung stellen, diese konnte aber lediglich ca. 8.000 stellen, deshalb mussten noch mindestens 2.000 Soldaten mehr zur Sicherung der Spiele abgestellt werden. Die genaue Gesamtzahl der Schutzrtuppen ist aber nicht bekannt. Neben dem sichtbaren Millitär- und Polizeiaufgebot befindet sich auch noch ein Heer von Spezialagenten und Bodyguards aus aller Herren Länder in zivil in London, um die jeweiligen VIP´s und Staatsgäste zu beschützen. Das alles wird noch mit einem monströsen Technikaufgebot mit Millionen von Kameras, Zugangskontroll- und Identifikationssystemen getoppt. Eine sichere Koordination aller Sicherheitskräfte darf also durch den Wust an beteligten getrost ausgeschlossen werden, was den Sicherheitsvorsatz ehr untergräbt als wirklich zu schützen.

Zwischen Sidney 2000 und den heutigen Spielen, lief eine massive Veränderung der Sicherheitsstrukturen ab. Jedes mal wurden Steigerungen zum Vorevent durchgeführt, mit Ausnahme der Megaspiele von Peking...dort wurden über 400.000 Sicherheitskräfte eingesetzt, was wohl so schnell nicht zu toppen sein wird! 

Stephen Graham, Professor am Institut für Architektur und Planung der Universität Newcastle schrieb vor allem in seinem Buch „Cities under Siege: The new military urbanism“ über einen neuen Städteausbau der zu beobachten sei. In einem TAZ Interview sagte er:

"Zu beobachten ist, wie städtische Zonen in Großbritannien und den USA in eine Art Green Zone verwandelt werden, mit Checkpoints und Verteidigungszäunen. Der Aufschwung der Biometrie ist mit der Verwendung biometrischer Technologien zur Kontrolle aufständischer Städte verbunden. Grundidee ist, dass der Feind ein ziviler, nichtstaatlicher Akteur ist, der sich nicht vom Rest der Bevölkerung unterscheidet, dem der urbane Raum als Tarnung und Versteck dient. Deshalb brauche man all diese Identifizierungssysteme, um die Bedrohung vorwegzunehmen. 

Die klassische Rüstungsindustrie erfährt einen Niedergang. Aber nun verschmilzt sie mit IT-Unternehmen, Kommunikationsfirmen, privaten Sicherheitsdienstleistern, universitärer Forschung und Biotechnologie zum großen Komplex des Heimatschutzes (Homeland Security), basierend auf einer äußerst vagen Idee von Sicherheit, die insbesondere von den USA und Israel durchgesetzt wurde, deren Unternehmen die Märkte zum Beispiel für Drohnen beherrschen. Ich befürchte, dass wir am Ende unsere eigenen Städte in Festungen verwandeln, nur um Produkte und Dienste an autoritäre Regime im Rest der Welt verkaufen zu können. Ein sehr problematisches Modell."

(Erinnert mich irgendwie an eine allergische Reaktion, denn auch da richtet sich die Körperabwehr in krankhafter Weise gegen den Körper selbst...) 

Zur Ansicht Grahams gesellt sich noch die Tatsache das die Sicherheitstechnologie, welche in den westlichen Ländern produziert und an Diktaturen in alle Welt geliefert wurde, für Events wie Olympia gewissermaßen reimportiert wird. Das heißt das Erfahrungen welche Diktatoren bei der Unterdrückung ihrer Bevölkerung (mit unserer Technik) gemacht haben, diese als "Verbesserung" in die modifizierten Sicherheitsgeräte für die Spiele mit einfließen. Menschenverachtender geht es wohl kaum, oder?! 

Aber die Spiele haben für mich schon lange  ihren Reiz verloren. Nicht zuletzt deshalb weil sie zu einer Kommerz-Veranstaltung für Konzerne geworden sind. Ehrlicher wäre es,  wenn die Athleten mit den Fahnen der Sportartikelhersteller einmarschiert wären, mit einer TV- Einblendung "protected by  XY Security and XY-Army" . 
Viel besser wäre es eigentlich vorhandene Sportstätten zu nutzen und die Spiele gesund zu schrumpfen, damit die Olympischen Spiele wieder bezahlbarer und volksnäher werden. Der heutige Maximalismus "je pompöser desto besser" tötet letzten Endes die Spiele, weil keiner mehr hingehen kann. Ein normaler Londoner kann sich die Spiele mit Kartenpreisen von bis zu 2.000 Euro doch gar nicht mehr leisten und selbst die überdimensionierten VIP Kartenkontingente (welche auch noch verschenkt werden) werden von diesen überhaupt nicht benutzt. Nicht zuletzt deshalb sind auch viele Plätze in den Stadien leer und müssen ebenfalls mit Soldaten aufgefüllt werden. Das trifft sich anscheinend gut, hatten sich doch die Soldaten kürzlich über schlechte Arbeitsbedingungen und Langeweile beklagt.....Olympia, zielsicher am eigentlichen Sinn vorbei!!!

Liebe Grüße 

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