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Sonntag, 17. Februar 2013

Cradle to Cradle - oder nachhaltiges Wachstum für alle!

Bildquelle: Braungart.com


Im Oktober vergangenen Jahres erreichte die Weltbevölkerung die 7 Milliarden Marke, zu viel wie manche Wissenschaftler meinen. Da die Ressourcen unseres Planeten begrenzt sind können nicht alle Menschen den gleichen Lebensstandard erreichen, so die offizielle Sichtweise. Natürlich können wir nicht ungehemmt weiter verprassen, konsumieren und uns vermehren, aber wie sähe es denn aus wenn wir auf herkömmlichen Wege etwas gegen eine "Überbevölkerung" der Erde tun würden?! Restriktive Bevölkerungskontrolle, Vermehrungs- und Konsumauflagen, Verzichts- und Verhaltensdiktate?! Hört sich ziemlich nach einem orwellschen Überwachungsstaat an, meint Ihr nicht?! Von den wirtschaftlichen Konsequenzen bei totalverzicht mal ganz abgesehen...

In den westlichen Industrienationen sind die Geburtenzahlen allerdings rückläufig, hier sind mit Sicherheit keine Eingriffe in die Familienplanung nötig. "Eingriff" - ein ziemlich drastisches Wort oder?! Dabei würde es vollkommen reichen die, in den Entwicklungsländern festgesetzte Einstellung zur Großfamilie, (mit möglichst vielen Kindern die Altersversorgung der Eltern zu sichern)  durch eine tiefere Einsicht, hin zu Familien mit 2-3 Kindern zu ersetzen. Dazu muss sich aber der Lebensstandard  der Familien dort auch drastisch verbessern, damit eben nicht 10 und mehr Kinder nötig sind um die Eltern zu versorgen. Und da wären wir wieder - besserer Lebensstandard und damit höherer Konsum im scheinbaren Gegensatz zu begrenzten Ressourcen. Ader es scheint ein Ausweg aus diesem Dilemma möglich. Bei intelligenter Produktion all unserer Produkte wäre sogar eine weltweite Steigerung des Konsums von Gütern möglich die nicht auf Kosten der Umwelt geht. "Wir sind nicht zu viele, sondern nur zu blöd" das ist die provokante, aber durchaus interessante These des Umwelt Chemikers Michael Braungart.

Produzieren, konsumieren und einfach alles wegwerfen, das soll funktionieren?! Ja, meint Braungart, wenn man es richtig anfängt, dabei orientiert sich der Chemiker an der Natur. Die Natur kennt keinen Abfall, sondern nur Nährstoffe und Kreisläufe. Wir müssen aufhören Abfälle als solche zu sehen, sondern als Nährstoffe für neue Produkte. Unser Überbevölkerungsproblem liegt in der Erfindung des Abfalls, würden wir es schaffen Dinge zu produzieren die nicht zu Abfall würden, könnten gut und gerne über 10 Milliarden Menschen über heutigem Niveau konsumieren und dass ohne unseren Planeten mehr als jetzt auszubeuten. Um das zu erreichen muss die Produktion sämtlicher Dinge so umgestellt werden, das diese komplett und Rückstandsfrei wiederverwertbar werden! Das ist mehr als Recycling, das wäre die nächste industrielle Revolution.

Braungart nennt sein Konzept "cradle to cradle" sinngemäß also "von der Wiege zur Wiege". Und obwohl sein Konzept fast utopisch anmutet ist Braungart nicht allein, im Gegenteil, große Firmen auf der ganzen Welt hören Braungart interessiert zu und fangen an seine Konzepte umzusetzen. Große Entsorger wie Remondis, Chemiekonzerne wie DSM, Kleidungsfirmen wie Trigema und viele mehr sind von Braungarts Konzept begeistert. Nike entwickelte auf der "cradle to cradle"  Basis sogar den ersten voll kompostierbaren Turnschuh, kompostierbare Textilien die die Luft reinigen...eine innovative Entwicklung jagt die nächste. Firmen nehmen ihre alten Produkte wieder zurück und bauen daraus neue, sie werden zu Rohstoffbanken und erhöhen dadurch ihren Wert und ihre Wirtschaftlichkeit. Braungart doziert an Universitäten, sitzt am Tisch mit Vorstandsvorsitzenden in Europa, Asien sowie in den USA und wird sogar von Regierungen  gehört. In den Niederlanden wird sein  Konzept sogar soweit favorisiert, das es auf politischer Ebene als Zielvorgabe für die niederländische Industrie selbst gesehen wird.

Es kann nicht sein das allein EU weit im Jahr 3 Milliarden Tonnen hochwertige Rohstoffe als Müll in Müllverbrennungsanlagen landen und damit unwiderruflich verloren sind. In deutschen Straßen verschwinden jährlich z.B. 15.000 Tonnen Kupfer aus der Schlacke von Verbrennungsanlagen, eine unvorstellbare Verschwendung. Um das zu ändern, müssten alle Produkte, in Auswahl der Materialien sowie in der Produktion, quasi neu erfunden werden, aber der Aufwand lohnt. Ungiftige Produkte lösen die Giftcocktails der jetzigen Produktion ab, Rohstoffabhängigkeiten von anderen Nationen wie China nehmen ab, die Umwelt wird geschont und die Industrie kann sich neu erfinden und sich weiterentwickeln. Mehr Wohlstand für alle ohne auf Verzicht zu setzen....wenn das keine Option zum Umdenken ist! 

In Deutschland aber wird gemauert, in bester Lobbyarbeit tun Chemiker des Umweltbundesamtes wie Michael Angrick, Braungarts fundierte Thesen als Scharlatanerie ab. Sie halten das bestehende Recyclingsystem in Deutschland für ausreichend und predigen den Verzicht sowie die Müllvermeidung - und dass als Verantwortungsträger in einem rohstoffarmen Industrieland. Unglaublich! Schaut Euch die "WDR Story" die als Quelle dieses Artikels diente mal an - es lohnt sich.

Sicherlich sind noch Fragen zur nachhaltigen Energie (Wasserstoff-Speicherkraftwerke für Ökostrom) und der Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung zu klären. Aber solche Ansätze wie der von Braungart zeigen einen richtigen Weg, der zusammen mit anderen Wegen das nachhaltige Überleben von bis zu 10 Milliarden Menschen auf unserem Planeten mit sichern kann. Solche Konzepte, die zerstörerische Konzepte durch bessere und nachhaltige ersetzen sind allemal besser, als von oben aufgedrückte Dogmen die Verzicht und massenhafte Bevölkerungskontrolle per Gesetz verlangen. Durch solche Denkansätze kann Wohlstand steigen und dadurch können sich wiederum Bevölkerungsfehlentwicklungen in der sogenannten 3. Welt von selbst korrigieren. Es gibt viel zu tun...packen wir´s an!

Liebe Grüße

Euer Micha

Quelle:

WDR Story - Nie mehr Müll - Leben ohne Abfall

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