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Sonntag, 18. Mai 2014

Ein Beispiel für Betriebsblindheit - Nukleartransporte in Deutschland



Bildquelle: Anti-Atom-Bündnis-Niederrhein


Nun, man kann mir nicht grade vorwerfen ein gleichgültiger Mensch zu sein, aber ich muss schon sagen man übersieht so einiges um sich herum, oder will es übersehen! Ich bin als Kundendiensttechniker täglich auf den Straßen in NRW unterwegs und hetze von Termin zu Termin - hochkonzentriert auf den Straßenverkehr und gleichzeitig mit den Gedanken beim nächsten Auftrag. Da kann es schon mal passieren das man dass Eine oder Andere nicht so richtig wahrnimmt.

Letztes Jahr hatte ich einen Auftrag in Bramsche (bei Osnabrück), wütend über eine solch weite Fahrstrecke (122 Kilometer für einen TV-Reparatur-Auftrag) flog ich, nach dessen Erledigung am späten Nachmittag, geradezu über die A1 - Richtung Köln - meiner Heimat entgegen. Bei dieser Fahrt überholte ich etwa bei Wallenhorst einen LKW - ein kurzer Blick nach rechts lies mich ein "Radioaktiv" Symbol erkennen, ungeachtet dessen rauschte ich an diesem Lastwagen vorbei. Zwar dachte ich später noch mal über diesen LKW nach, verdrängte aber dieses Erlebnis mit dem Gedanken: "War bestimmt nur was medizintechnisches - Röntgen oder so!"

Fast genau ein Jahr später, Anfang diesen Monats, sah ich erneut einen verdächtigen LKW. Diesmal sogar mit einer fetten "Uranium" Aufschrift, gesehen hab ich Ihn auf der A2 in Richtung Hannover (Gegenfahrbahn) - Höhe Dreieck Bottrop.  Leider war dieser LKW zu schnell vorbei - Fotografieren war also nicht möglich. Mit diesen beiden Erlebnissen im Hinterkopf begann ich mal ein wenig nachzuforschen und ich muss sagen ich war verdammt blöd! 

Irgendwie hatte ich aus den Nachrichten immer den original Castor vor meinem inneren Auge wenn`s um Atomtransporte ging. Nukleartransporte können aber viele verschiedene "Transportgesichter" haben - von langen, zigarrenförmigen Tanks, bis hin zu stink normalen Containerformen ist alles dabei. Meine Nachforschungen haben ergeben, das in Deutschland mehr als 500.000 Nukleartransporte pro Jahr durchgeführt werden. (10.000 jährlich davon im direkten Zusammenhang mit AKW/Wideraufbereitung/Lagerung etc.)  Diese Atom-Transporte gehen kreuz- und quer durch Deutschland - die meisten davon per LKW.  Als ich meine beiden LKW- Erlebnisse (bzw. dessen Sichtungsorte) genauer beleuchtete fiel mir auf, das meine Sichtungen genau auf zwei beliebten "Atomrouten" stattgefunden haben.

1. Route: Von der Urananreicherung in Gronau zu den Hamburger oder Bremer Hafenanlagen. 
(Natürlich sind hier beide Richtungen möglich) Den Ort der Sichtung markiert das Kreuz.

Bildquelle: Google Maps

Route 2: Vom Atomzwischenlager Jülich zum Zwischenlager Ahaus oder zur Urananreicherungsanlage Gronau. Auch hier markiert das Kreuz den Sichtungsort.
 Bildquelle: Google Maps 

Hier mal eine kleine Übersicht der "Atomtransitrouten" in NRW/Deutschland. 

Bildquelle: Greenpeace


Bildquelle: Die Welt

Das so viel strahlende Fracht auf den Straßen, Schienen und Flüssen/Kanälen in DE unterwegs ist hat mich fast umgehauen, nicht zuletzt deshalb weil Deutschland sehr dicht besiedelt ist und von diesen Transporten eine echte Gefahr ausgeht. Ein paar mal sind solche Transporte schon haarscharf an Katastrophen vorbeigeschrammt. Turborostige LKW wurden bereits aus dem Verkehr gezogen! Oder zum Beispiel kam es am 1. Mai 2013 auf der Atlantic-Cartier zu einem Brand. Das Schiff lag nur wenige hundert Meter von der Eröffnungsfeier des evangelischen Kirchentages entfernt im Hamburger Hafen. Beim Ausbruch des Feuers lagerte hochgefährliches Uranhexaflourid (UF6) an Bord, direkt neben hochentzündlichen Alkoholen. Nur durch das absolut professionelle Verhalten der Hamburger Feuerwehr entging die Millionenstadt knapp einer Katastrophe!  

Auch die ARD war im Mittags-Magazin schon den Atomtransporten auf der Spur. In diesem Video wurde ein Atom-Schienentransport in eine Passagierfähre verfolgt. Der Zug stand vollkommen ungesichert in einem Passagierschiff und keiner wusste was davon. (noch nicht mal die örtlichen Behörden) Zudem machte der Schiffsbetreiber noch falsche Angaben - unglaublich!!!




Anstatt solchen Transporten einen Riegel vorzuschieben will die EU auch noch aktuell Atomtransporte vereinfachen. Ich werde von nun an mit erhöhter Wachsamkeit auf den Autobahnen unterwegs sein und Atomtransporte mit Tag, Uhrzeit und Route festhalten. Wenn es möglich ist werde ich auch Fotos machen. Sowas muss in Deutschland einfach aufhören und dabei möchte ich helfen. Sensibilisiert für ein neues Thema musste ich feststellen, dass man manchmal Dinge verdrängt, obwohl Diese direkt und täglich vor unserer Nase passieren!

Liebe Grüße

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