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Dienstag, 7. Oktober 2014

Die Freilassung der Märkte - oder Geld regiert...




Nachdem ich mein krankes Frauchen in der REHA besucht habe, bin ich etwas bescheidener geworden. Dort musste ich mit Entsetzen erkennen das beileibe nicht nur alte Menschen krank sind. Junge Männer unter 30 mit mehreren Schlaganfällen, Kinder- und Jugendliche im Multiple-Sklerose-Endstadium, die praktisch keinerlei Körperkontrolle mehr haben, sind hier genauso häufig anzutreffen wie die Kranken älteren Semester. Als ich dann am Sonntag etwas nachdenklich nach Hause kam, stieß ich in der ARD Mediathek auf den Bericht "Geld regiert" und sah mir Diesen an. Während diese armen Menschen um ihre Gesundheit kämpfen, gibt es tatsächlich Menschen die um die hemmungslose Vermehrung ihres Geldes und damit ihres Einflusses besorgt sind, dachte ich. Es ging um Reiche und Superreiche.

Als superreich gilt man ab einem Privatvermögen von 30 Millionen US Dollar. Das Vermögen aller Superreichen zusammen hat sich von 1996 bis heute verdreifacht, auf nunmehr 18,4 Billionen US-Dollar!!! Wenn also 1 Gruppe von Menschen (die immer öfter zusammenarbeiten) mehr Geld besitzt als alle Könige, Pharaonen und Regierungen zusammen dann sollte man sich Gedanken machen. Nicht nur das Superreiche über ein immenses Privatvermögen verfügen, meist haben sie noch ein vielfaches ihres Bankvermögens in Firmenbeteiligungen oder Kapitalgesellschaften und machen so auch über die Firmenpolitik dieser Unternehmungen ihren Einfluss geltend.  Was uns später noch zu einer anderen Thematik führen wird.

Crystia Freeland ist Journalistin und Autorin des Buchs "Die Suprreichen" sie recherchierte mit anderen um das Wesen dieser Superreichen zu beleuchten und stieß auf eine neue Entwicklung. Nicht nur das Superreiche oft in den gleichen Metropolen ihre vielen Wohnsitze haben und sich deshalb auch kennen und schätzen, die Superreichen sind auch untereinander loyaler als beispielsweise den Menschen ihrer Heimat gegenüber. Sie bilden einen exklusiven globalen Club der immer mehr an politischer Macht gewinnt.  Immer mehr Superreiche streben neuerdings danach die Gesellschaften nach ihren Bedingungen zu verändern - Finanzwelt, Forschung, Politik, ja ganze Länder möchten sie mit ihrem Geld verändern und das zu ihrem Vorteil!

Die Stiftungen der Superreichen überziehen mittlerweile den ganzen Planeten und verändern bereits maßgeblich die Geschicke vieler verschiedener Länder. Auch wenn einige Stiftungen der Superreichen durchaus gutes im Schilde führen, sollten wir uns überlegen, ob wir relevante Bereiche in der sozial-, gesundheits- und Forschungswelt nicht lieber in die Hände einer demokratischen Gesellschaft legen. So bleiben sie frei von Bedingungen und Richtungszwang, erläutert Crystia Freeland weiter. So zum Beispiel bliebe dann echte Forschung auch ergebnisoffen.

Martin Gilens von der US-Universität Princeton hat untersucht ob Superreiche in den USA die Politik und Gesetze zu ihren Gunsten beeinflussen. Dazu befragte er auf repräsentative Art und Weise US-Bürger aller Einkommensstufen ob sie für oder gegen einen bestimmten Gesetzesvorschlag waren. Gilens verglich dann über 1800 Gesetzesvorschläge mit den Befragungsergebnissen und fand heraus, dass die meisten Gesetzesvorschläge welche von der breiten Masse abgelehnt wurden und den Reichen nutzten Gültigkeit erlangten. Gesetzesvorschläge die hingegen den kleinen bis mittleren Einkommen genützt hätten und von Reichen abgelehnt wurden, wurden zum größten Teil vom Kongress abgeschmettert. Erschwerend kommt hinzu, das über die Hälfte der US-Kongressabgeordneten selbst Millionäre sind - kein Wunder bei Wahlkampfkosten von min. 10 Millionen Dollar pro Senator. Also auch kein Wunder, das diese Polit-Millionäre sich eher für die Interessen der Reichen (also für ihre eigenen und für Die ihrer Gönner) einsetzen!!! Gilens stellt also wissenschaftlich fest: Arme und Mittelständler haben keinen Einfluss auf die US-Politik!!!

Auch an der Volksweisheit "Geld verdirbt den Charakter" scheint etwas Wahres zu sein. So wurde in Tests festgestellt das Menschen, welche man in bestimmten Räumen Befragungen, unterzog auch entsprechend reagierten. In freundlich ausgestatteten Räumen mit beispielsweise Blumenbildern, waren Menschen hilfsbereiter und die Probanden waren auch für Teamarbeit zu gewinnen oder gemeinsamen Unternehmungen gegenüber aufgeschlossenen. In einer nüchternen Büroumgebung mit Diagrammen und Geldbildern an der Wand kehrte sich das Ergebnis jedoch beinahe um!

Auf die Spitze trieb es der Bonner Professor Armin Falk, in seinem Test wollte er herausfinden ob Studenten bereit waren für Geld eine Maus zu töten. Würden die Probanden unter bestimmten Bedingungen bereit sein eine Maus für 10 Euro zu töten? Unglaubliche 46% ließen sich die 10 Euro sofort auszahlen und besiegelten damit unmittelbar das Schicksal der Maus und dass obwohl der Versuchsleiter im Vorfeld explizit die Konsequenzen für das Tier klargestellt hatte! Noch schlimmer fiel das Ergebnis aus wenn die Verantwortung nicht auf der einzelnen Person allein lag. In einer "Marktsituation" durften die Studenten über ein Netzwerk um den Tod der Maus feilschen. In dieser Situation wurden 20 Euro "verteilt" einigte man sich auf einen Deal starb die Maus. Wenn einer den Deal verweigerte überlebte die Maus. Ganze 72 Prozent waren unter diesen 2 Personen-Bedingungen bereit die Maus zu töten. Ganze 76 Prozent töteten die Maus gar unter Marktbedingungen mit mehreren Teilnehmern. Und das bereits ab 5 EURO!!! Unglaublich wie selbstverständlich der Tod wird wenn die Verantwortung vermeintlich auf mehrere Schultern verteilt ist. Diese Untersuchungen bestätigen was ich schon immer von den sogenannten "freien Märkten"  sagte. (ich berichtete hier im unteren Teil "Der Markt")  Märkte machen zwar nicht böse, aber sie bringen die hemmungslose Seite an uns Menschen zum Vorschein, deshalb müssen Märkte streng kontrolliert werden!!! Und das der Mensch eine Leitlinie braucht an die er sich halten kann wusste schon der alte Aristoteles...:

"Wie der Mensch in seiner Vollendung das edelste aller Geschöpfe ist, so ist er, losgerissen von Gesetz und Recht, das schlimmste von allen."

Menschen brauchen Grenzen und Leitlinien, in der Erziehung und im späteren Leben, deshalb war und ist eine Deregulierung der Finanzmärkte, das Gegenteil von Konsequenz und führt durch Sinnentleerung unweigerlich zu Entartungen, Chaos und Anarchie.

Das ganze Dilemma begann im 19. Jhd. mit der "Befreiung" der Kapitalgesellschaften, meint der Publizist und Politiker David Rothkopf. Kapitalgesellschaften sind heute zum großen Teil ihren Aktionären verpflichtet - das war nicht immer so! Ursprünglich wurden solche Gesellschaften gegründet um Projekte die dem Gemeinwohl dienten schneller umsetzen zu können - Sie waren sehr stark reglementiert und es war für diese Gesellschaften ein Privileg von der Regierung Aufträge zu erhalten. Wie bei einem gemeinnützigen Verein wachte der Staat über die Einhaltung gewisser Regeln, auch Banken wurden bis dato ähnlich stark staatlich überwacht . Diese "Geldvereine" waren ein juristisches Konstrukt, eine Art Werkzeug des Staates, welches gutes und nützliches tun sollte. Doch plötzlich verlangten einige Vorstände die Freiheit auf eigene Faust agieren zu dürfen. Angefangen im Jahr 1819 durch die Klage eines Privat Colleges, hagelte es plötzlich Klagen - in denen es sinngemäß darum ging, das eine einmal erteilte Erlaubnis zur Gründung einer Kapitalgesellschaft nicht mehr staatlich aufzukündigen war. Eine solche Genehmigung sei zu behandeln wie der Private-BESITZ eines Bürgers. Das Ganze pervertierte dann soweit, das Kapitalgesellschaften Bürgerrechte aus der Verfassung in Anspruch nahmen, die eigentlich für die Befreiung der farbigen US-Bürger verfasst wurden. Nur konnten die farbigen Bürger diese Rechte mangels Geld nicht einklagen - Die Kapitalgesellschaften allerdings schon!

Und so bekamen Kapitalgesellschaften nach und nach volle Bürgerrechte (Juristische Person) und wurden zu "Superbürgern" die ihren Einfluss immer weiter ausbauten. Diese Entwicklung war nicht nur in den USA, sondern weltweit zu beobachten! Heute verwalten solche Kapitalgesellschaften unser ganzes Leben. Es gibt nicht einen Konzern dessen Aktien nicht mehrheitlich durch Kapitalgesellschaften gehalten wird. Das Paradebeispiel bietet der wohl fast unbekannte Kapitalverwalter Blackrock. Obwohl Blackrock nahezu unbekannt ist, verwaltet diese Gesellschaft ein Vermögen von rund 4.000.000.000.000  Dollar (in Worten vier Billionen). Um das ganze mal für Deutschland greifbar zu machen: Allein in Deutschland ist Blackrock an allen 30 Dax-Unternehmen ein hochkarätiger Aktienhalter. Bei einem Drittel aller Dax-Konzerne ist Blackrock  sogar MEHRHEITS-ANTEILSEIGNER (über 50%). In anderen Industrieländern sieht es ähnlich aus. Telekom, BMW, Daimler Benz, Deutsche Bank - ALLES ALSO KLEINE GOLDFISCHE IM BLACKROCK-GLAS!!!!

Und nun wird diesen Giganten auch noch erlaubt durch Freihandels- und Asoziale- ähm Assoziierungsabkommen ganze Staaten vor Schiedsgerichten zu verklagen. Ob Merkelchen solche Abkommen nun für deutsche Unternehmen im Ausland "erkämpft" oder die USA den sogenannten Investitionsschutz in der EU durch TTIP erzwingt ist letztlich fast schon einerlei - Hauptsache wir verhindern solche Abkommen entschlossen. EINES GILT ES ZU BEGREIFEN. DIESE ANGEBLICH NATIONALEN POLITIKER SIND KEINE GEGENPARTEIEN IN OFFENEN VERHANDLUNGEN - SIE DIENEN KEINEM DEUTSCHEN ODER AUSLÄNDISCHEN STAAT ODER UNTERNEHMEN. SIE DIENEN NICHT DEM VOLK SONDERN LEDIGLICH GIGANTEN WIE BLACKROCK!!! SIE DIENEN DEMOKRATIEFEINDLICHEN NEUEN MACHTSTRUKTUREN EINER ELITE! Allerdings macht es Hoffnung das so etwas mittlerweile im Mainstream gesendet wird.

Schlussendlich bleibt der Rückzug auf den gesunden Menschenverstand, auf Verfassungen und Gesetze mit klaren Regeln (US-VERFASSUNG oder GRUNDGESETZ) und deren vernünftige Anwendung. Eine Orientierung an christlichen Grundwerten ist auch nicht unbedingt von Nachteil um zu erkennen wer grundsätzlich moralisch korrekt oder -verwahrlost ist. Menschen sind nun mal beeinflussbar, im Guten wie im Bösen. Auch wenn uns Konzerne und Politiker massenhaft um den Konsumfinger wickeln, schlummert selbst im größten Finanzprotagonist  und/oder Politschauspieler ein Gewissen das geweckt werden möchte. Auch wenn er es nicht zugibt, fühlt er sich wohler wenn er gesund ist und sich um seine Familie kümmern kann, wenn er liebt und geliebt wird - in einer lebenswerten Umwelt, in einem gerechten System....auch diesen Leuten kann das wieder Bewusst gemacht werden....und so verwende ich einen Werbespruch des "Gegenlagers": "Es gibt viel zu tun...packen wir`s an!"

Liebe Grüße

Euer Micha

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