Montag, 11. Dezember 2017

Hochwertige bezahlbare Audio-Netzteile selbst gebaut - Teil 1


Da unser High- End Lautsprecher-Projekt (siehe hier) momentan wegen familiärer Umstände unseres Holzfachmannes auf Eis liegt, habe ich mich zwischenzeitlich mit einer anderen technischen Sache befasst. NETZTEILE!

Die Qualität eines Verstärkers oder Vorverstärkers steht und fällt mit der Qualität seines Netzteiles, da das verstärkte Signal letzten Endes zu 100 Prozent aus der bereitgestellten Betriebsspannung besteht. Ein ausreichend starkes Netzteil zur Verfügung zu stellen ist meistens nicht das Problem, sondern ein impulsfestes, rausch- und brummarmes, sowie schnelles Netzgerät (PSU) zu bekommen. Eine gleichgerichtete und gesiebte Spannung ist nämlich IMMER von einer kleinen Brummspannung überlagert. Ziel muss es sein diese Brummspannung durch ein besonders stabiles und gut eingestelltes Netzteil zu minimieren. Überdimensionierte Trafos, schnelle Gleichrichter und Kondensatoren mit großen Kapazitäten, sowie rauscharme Stabilisatoren stellen dann eine impulsfeste Leistungsreserve zur Verfügung und verhelfen dem Verstärker zu ungeahnten Fähigkeiten - Er klingt einfach viel besser!

Die meisten Hersteller, beispielsweise von Phonovorverstärkern, legen Standardnetzteile zu ihren Geräten. Mit solchen Netzteilen funktionieren die Geräte bisweilen sehr zufriedenstellend. Um aber das volle Potenzial eines Phonovorverstärkers abzurufen bieten die Produzenten sündhaft teure Upgrade Netzteile an. Bei günstigeren Phonovorstufen werden gar überhaupt keine Netzteilupgrades angeboten, was sehr schade ist, da auch hier eine Klangverbesserung durch ein Netzteilupgrade zu erzielen wäre. Dieses Manko wollte ich so nicht hinnehmen.

Also begann ich für meine "Lehmann Black Cube"  Phonovorstufe eine Spitzen PSU zu bauen.
Der Lehmann inkl. Standard PSU kostet in etwa 450 Euro. Die Erweiterung, das sogenannte PWX Netzteil, kostet ca. 330 Euro. Mein Ziel war eine Halbierung des Netzteil-Preises durch Selbstbau - bei gleicher Qualität versteht sich. Also begann meine Suche im Netz...

Wie Immer enttäuschte mich das Internet nicht und ich landete auf einer vorzüglichen Seite namens "Thel Audio World". Hier werden in Modulbauweise hochwertigste Netzteile, Spannungswandler, Netzfilter, Trafos, Vorstufen und vieles mehr angeboten. Mit sehr viel Liebe zum Detail und Know-how wird dem Besucher alles erklärt was er über Audioelektronik wissen sollte....allerdings, ein bisschen technischen Sachverstand sollte man schon mitbringen.

Ich entschied mich für den Thel Spannungsregler SPR 3 HQ für 72 Euro zzgl. 8 Euro Versand.
Gewissermaßen ein Netzteil ohne Trafo mit einer Monster Elektronik:

Gesamt-Kapazität Siebung: 17600 uF
Symmetrischer Aufbau :  von +-1 Volt bis max. +- 30Volt
Strom: max. 3 Ampere  / 1,6 A mit Hahn Trafo
Stabilität: 0,3%/A +20mV/A
Noise: 0,003%/V

Als Trafo wählte ich wegen der Abmessungen und der "überkopf" Einbaufähigkeit ein Hahn Flachtransformator mit 2x15V bei 2x800mA = 24 VA. Dieser Transformator kostete bei Ebay 10,50 Euro + 4,50 Versand.


Hier mal beides auf Platine

...und beim verkabeln
....beim Abgleich
Erster Test
Mit dem Gehäuse wurde ich bei Reichelt fündig und nicht nur das. Das PROMA EG 2 Alugehäuse ist nicht nur günstig und wunderschön, sondern auch gut zu bearbeiten. Das Gehäuse sowie einige Kleinteile, (230V LED, Schalter, Kabeldurchführungen und Sicherungshalter, NTC sowie eine 4 Pol XLR Buchse usw.) kostete mich bei Reichelt Inkl. Versand 34 Euro. Kurz noch für 2 Euro eine unverkupferte Lochraster-Platine (160x100 mm) bei Ebay geschossen und als Sahnehaube ein schönes Typenschild dort bestellt (4 Euro) sowie ein paar Stunden Arbeit und....voila da war es dann!





Das Ergebnis war verblüffend! Alle meine Platten hatten plötzlich mehr Räumlichkeit und Durchhörbarkeit. Instrumente schienen aus dem Nichts zu kommen, so dass man sich beim Einsatz des Schlagzeuges fast schon erschrecken konnte, so ansatzlos knallt es rein. Alles ist souveräner, fester und unangestrengter - Also ein Dynamikanstieg im besten Sinne! In der Summe habe ich 135 Euro für dieses Netzteil bezahlt. Im Vergleich dazu der PWX Upgrade Preis des Herstellers 330 Euro....Das Ziel war die Hälfte dieses Hersteller-Preises...ich würde also sagen: Mission accomplished!!! Da das Ergebnis so geil ausgefallen ist habe ich auch noch mein Drehernetzteil ersetzt! Der Arme vegetierte mit einen vollkommen unterdimensionierten und unstabilisierten 40mA
Billig-Steckernetzteil vor sich hin. Upgrade Kostenpunkt auf 600mA (voll stabilisiert und gesiebt - 2200uF) knapp unter 50 Euro!

Ersatz für Thorens Plattenspieler Netzteil


So...hier nun beide bei der Arbeit :o)
Für Kleinere Phonoamps (z.B. Projekt Phonobox I+II u.a.) werden leider wie schon erwähnt keine größeren Netzteile angeboten. Wahrscheinlich ist sowas für eine Firma bei einem Artikelpreis um die 100 Euro nicht wirtschaftlich. Aber im Selbstbau funktioniert das 100 Prozentig....wie ich im nächsten Technikartikel zeigen werde.

Liebe Grüße

Euer Micha

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen