Posts mit dem Label Ägypten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ägypten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 24. Juni 2023

Der Scuba Tector Langzeittest


Nun sind wir wieder an altbekannter Stelle in Ägypten und genießen unseren wohlverdienten Urlaub - Mit dabei, zwei Scuba Tectoren von Quest/Deteknix, welche uns bereits 3 Jahre viel Freude bereitet haben, (siehe hier) ganz im Gegensatz zu ihren Vorgängern. Der erste Satz dieser Dinger ist nämlich sang- und klanglos im zweiten Urlaub abgesoffen, wurden allerdings ohne Probleme vom Deteknix/Quest Service in 2 neuere Modelle umgetauscht, da das Eindringen von Wasser (Undichtigkeit) noch in der Garantiezeit geschah. Der Umtausch lief sehr easy ab, also schon mal ein dickes Plus für den Service von Deteknix/Quest. 

Die uns zugesandten Scuba Tectoren der neueren Generation (LED in der Spule) waren problemlos in der Türkei, in Griechenland und in Ägypten im Einsatz und hielten bis in unserem aktuellen Urlaub, fast genau 3 Jahre. Stand heute ist allerdings, das auch diese beiden Sonden aktuell wieder Wasser gezogen haben. Die Verschlüsse wurden immer dicht von uns verschlossen, die Gewinde gereinigt und die Dichtungen gefettet und trotzdem liefen sie mit Wasser voll. Die Tauchtiefe ging übrigens nie über 2m hinaus.

Ich habe mir allerdings die Mühe gemacht und die Stellen der aktuellen Undichtigkeit in der Badewanne mit Druckluft lokalisiert. Auf dem unteren Foto zeigen die Pfeile auf die Leck-Zonen. Es scheinen die Verklebungen an der Stelle des Übergangs zwischen Spule und der Elektronik (im Griff) zu sein. Auch das Sichtfenster scheint betroffen zu sein.


Die weißen Pfeile zeigen im übrigen auf die Reparatur-Stelle. Auch hier habe ich mir Mühe gegeben einen Fix zu finden. Meines Erachtens ist 2 Komponenten Epoxidharz-Kleber die beste Lösung, somit habe ich beide Stellen damit vergossen und siehe da, die Sonde ist dicht. Leider war die erste Elektronik nicht mehr zu Retten und so tauschte ich beide Platinen untereinander und ersetzte den Akku (bei Amazon etwa 10-12 Euro) und so konnte ich eine der beiden Sonden wirklich retten. Zum Glück hatte meine bessere Hälfte vor dem Urlaub eine neue Nocta Sonde bestellt, sodass der Urlaubsspaß nicht getrübt wurde. 

Das Fazit für mich ist, ein erneuter Kauf eines Scuba Tectors, welchen ich von Anfang an mit Kunstharz vergieße, um so der offensichtlichen Schwachstelle vorzubeugen. Es scheint echt so zu sein das jeder Hersteller (zumindest die die ich kennengelernt habe: Secon von Elbinger, Teknetics, Deteknix/Quest und eventuell Nocta) Schwachstellen aufweist, welche nach ein paar Jahren zum Neukauf zwingen. Da Deteknix einen guten Service hatte und ich nun die Schwachstellen kenne, werde ich bestimmt keinen anderen kaufen und daran erneut Fehler finden, welche ich vielleicht nicht mit kleinem Aufwand fixen kann.


Vielleicht hilft Euch dieser Artikel eine Enttäuschung zu vermeiden.


Liebe Grüße


Euer


Micha

P.S.: Die Nocta Sonde scheint elektrisch recht gut zu sein da wir sofort Goldfunde hatten, allerdings ist das Material nur als billig zu bezeichnen, da es bereits am 3. Tag, trotz sorgfältiger Behandlung, den Geist auf gab. (Siehe Fotos)




Dienstag, 12. Juli 2016

Secon UWM 20 Unterwasser-Detektor - Spaßverstärker mit höheren Ambitionen! Update!!!



So, nach den ganzen Arbeitsrekorden im letzten Jahr (Hausrenovierung + erzwungene, als auch unbezahlte Überstunden) und den Rückschlägen in diesem Jahr (Tod meiner Mutter + Haushaltsauflösung) sowie einem stressigen Arbeitgeberwechsel ist nun die ultimative Urlaubsentspannung angesagt. Im Urlaub wollte mein Frauchen auf jeden Fall etwas "Schatzsuchen", also habe ich mir flux eine Tauchermaske in meiner Sehstärke besorgt und es musste ein Unterwasserdetektor her.

Unserm Budget standen an bezahlbaren UW-Detektoren  allerdings nur zwei  zur Verfügung:  1. Der "Vibra-Tector"  für 215,- Euro (bei Kooistra NL) und 2. der "Secon UWM20" bei (Bodensuche.de) für 449,- Euro. Nach dem bei zahlreichen Verkäufern  der "Vibra-Tector" ausverkauft war, fanden wir eine  Seite welche den "Vibra-Tector" als Verfügbar aufführte (Koistra). Schnell mit Paypal bezahlt und innerhalb von 24 Sunden geliefert - so jedenfalls die Werbung der Seite - Doch nach der Zahlung passierte immerhin  9 Tage lang nichts! Keine Antwort auf Mails und niemand war telefonisch zu erreichen.  Nach vielfachem hartnäckigen Anrufen (auf allen Telefonnummern) ging letztendlich dort  jemand ans Telefon - Die Dame erklärte mir auf englisch das die Lieferzeit nunmehr von diesem Tage an noch 3 Wochen betragen würde und so fiel unsere Wahl dann doch auf den Secon Detektor - nicht zu unserem Leidwesen wie sich später herausstellen  sollte. Das Geld für den Vibra-Tector erhielten wir natürlich zurück.

Nach dem das Teilchen bei "Bodensuche" bestellt wurde, war der Secon-Detektor bereits nach 48 Stunden bei uns. Schon während des Auspackens fiel die sehr massive Verarbeitung des Gerätes auf. Der Kunststoff aus dem die Sonde besteht ist anscheinend speziell verstärkt,  die Such- Spule ist in diesem Hartkunststoff-Body komplett mit Kunstharz  vergossen.  Sollten die gewählten Materialien über die Zeit nicht spröde werden, würde ich dem Detektor fast Unzerstörbarkeit attestieren! Eine Tasche sowie eine Beschreibung gehörten bei uns mit zum Lieferumfang. Der Deckel hat allerdings einen Materialfehler welcher zur Zerstörung der Sonde führen kann - Bitte hier nachlesen!!!
Testareal: Strände des Roten Meeres - Ägypten

Nun zum Praxistest: Der Griff ist mit rutschfestem Gummi überzogen, genauso wie der Einstellring für die Empfindlichkeit des Gerätes, direkt unterhalb der Spule.  Am unterem Ende ist eine praktische Sicherheitsschlaufe angebracht mit der man den Detektor am Handgelenk befestigen kann um einem Verlust dieses teuren Gerätes vorzubeugen. Betrieben wird der UWM 20 mit einem 9V Block. Eingeschaltet wird der  Decon durch Drehung des Batteriefachdeckels, wobei nur soweit  zu drehen ist bis das Gerät einmal zur Kalibrierung aufsummt. Wenn widererwarten keine Vibration beim einschalten stattfindet bitte auf keinen  Fall unter Wasser  bis zur Sichtbarkeit des Dichtungsrings  aufdrehen, da das Gerät sonst Wasser zieht und ein Defekt eintritt! Sollte aber nach dem Einlegen der Batterie und dem einschalten die Kalibrierungsvibration erfolgen, dreht den Ring (empfindl. Einstellung oben) bis zum "Dauersummen" und danach dreht gerade soweit  zurück bis das Vibrieren aufhört - Nun ist der Decon mit Maximalleistung einsatzbereit. Die Einstellung entspricht also in etwa der eines Pinpionters.
Da unser Budget leider dieses Jahr nicht mehr zum Gerätetauchen reichte, musste unser UWM20 aktuell  nur zum schnorcheln bis maximal 2 Meter Tiefe ran. Dieses schaffte er schon mal mit Bravour! Explizit JEDES mal wenn eine Fundmeldung mit Vibration angezeigt wurde war auch ein Fund zu finden - es gab wirklich nicht eine einzige Fehlmeldung wie bei manchen Landdetektoren üblich (z.B. bei mineralisierten oder  erzhaltigen  Böden, Hochspannungsmasten usw.). Die Vibration bei einer Fundmeldung ist so stark das man sie nicht nur spürt, sondern diese auch unter Wasser hören kann! Bei der Suche nach Fundstücken reicht es übrigens vollkommen aus die Areale einfach zu "überfahren", ein ständiges  hin und her schweifen wie bei klassischen Landsonden entfällt völlig. Dieses vorteilhafte Verhalten wird durch das mikroprozessor-gesteuerte Puls-Induktionsverfahren (PI) ermöglicht. Ist ein Fund einmal lokalisiert, kann man darüber verweilen und den Sand bei Seite schaffen...sollte dann ein leichter Fund (evtl. Ohrring) mit "verbracht"  werden merkt man dass sofort durch ein Ende der Vibration. Geht  Ihr dann bspw. 10 cm nach rechts oder links so habt Ihr den Fund sofort wieder. Sorry....aber echt Idiotensicher! Die Funktionsdauer eines Alkali 9V Blocks war bei uns 2 Tage. (wobei jeweils bis zu 5 Stunden am Tag gesondelt wurde). 
Ausbeute des 1. Tages

Zur Tiefenleisung des UWM kann ich auch nur Beifall klatschen! 
Manchmal habe ich mit bloßen Händen über 30 cm tief gebuddelt...und siehe da - eine Münze - Die Sonde war dabei ca. 10 cm über Grund! Laut etlichen Foren soll die Tiefenleistung des UWM 20 ca. 20 cm sein....wobei es immer auf die Größe des Fundes ankommt - Diese Tiefe wird allerdings im Praxistest locker übertroffen.  Die restlichen technischen Daten könnt ihr dem nächsten Bild entnehmen, wobei die Dichtigkeit des Gerätes laut Secon Germany bis 60 Meter betragen soll. Auch wenn das Gerät ziemlich teuer ist, ist diese Secon -Sonde ihr Geld wert. Das Teil ist nicht nur ein echter Spaßverstärker im Urlaub, sondern auch 100% zuverlässig...fast schon auf unheimliche Weise professionell.
Ohne Spaß, das Teilchen ist der Kracher wobei man natürlich auf "Diskriminierung" und Leitwertanzeige bei einem Unterwasserdetektor in diesem Preissegment verzichten muss. Ich denke aber das man mit der Zeit ein Gefühl für die good and bad Vibrations des Detektors bekommen wird.  Trotzdem oder gerade eben deswegen eine echte Kaufempfehlung!!!! Sollte im Verlauf des Urlaubs noch ein außergewöhnlicher Fund auftauchen gibt es ein Update...

Liebe Grüße

Euer Micha

Update: 

Nach dem am 1. Tag durch mich super viele Münzen zu Tage traten, haben die Frauen mal wieder den Vogel abgeschossen. Es reicht nicht das Annique am ersten Tag einen 925er Silberring fand.....NEIN - denn zur vollkommenen Deklassierung setzte "Trüffelschwein" Heike einen schweren 585er Goldring obendrauf. Frauen und Schmuck scheinen sich gegenseitig auf magische weise anzuziehen ;o)

Silberring - Finder: Annique
Goldring - Finder: Heike

2. Update

Wir haben noch einige tolle Funde gemacht, unter anderen Münzen auch einen echen Silber-Franc aus dem Jahr 1960. Bei den Frauen waren natülich wieder Schmuck die Topereignisse. Alles in allem haben wir in fast 2 Wochen die Hälfte des Detektorpreises an Edelmetallwert aus dem Wasser gefischt...hier noch ein paar Schmuckstückchen...

Eine fast 30 Gramm schwere Silberkette

Ein weiterer 585er Goldring gut 3 Gramm schwer.
2 Markenringe aus Edelstahl. Fishbone und Esprit!
Ein weiterer 925er Silberring gut 4 Gramm schwer.
Und vieles, vieles mehr an Silberschmuck...reiner Metallwert aller Funde liegt jenseits der 200 Euro-Marke. Noch ein Urlaub und der Detektor ist amortisiert *grins*.

Liebe Grüße

Euer Micha

Neuen Artikel lesen!!! Vorsicht mit der instabilen Verschlusskappe - Materialfehler zerstört das Gerät und es gibt keinerlei Kulanz! Service versteckt sich mit hohen Rechnungen hinter der Gewährleistung. Hiermit ziehe ich meine uneingeschränkte Kaufempfehlung zurück!


Sonntag, 22. Mai 2016

Egypt-Air MS 804 - ein Bauchgefühl - nichts weiter...

Absturzort: Bildquelle - Flightradar 24

Eigentlich wollte ich dieses WE einen Artikel über Venezuela schreiben, aber ich habe aus aktuellem Anlass etwas Bauchschmerzen beim Absturz von Egypt-Air MS 804. Zuerst einmal aber gilt den Angehörigen der 66 Opfer dieser Flugzeugkatastrophe mein tiefstes Mitgefühl, es ist ungeheuer schrecklich plötzlich geliebte Menschen zu verlieren - ich empfinde mit Ihnen!!!

Nun zu meinem Bauchgefühl - etwas stimmt nicht! Egypt-Air MS804 stürzte in der Nacht von Mittwoch auf  Donnerstag, zwischen 2:30 Uhr und 2:40 Uhr ca. 280 km vor Alexandria ins Mittelmeer. Um 2:26 soll die ACARS Telemetrie des Airbus A320 bereits eine Rauchmeldung abgesetzt haben, wohin gegen die Piloten sich laut NTV (gut gelaunt) noch um 2:29 Uhr beim Überflug der Insel Kea meldeten. Eine Minute später soll sich die Maschine entgegen gängiger Praxis beim Verlassen des griechischen Luftraumes nicht abgemeldet haben. Mir fällt an dieser Stelle auf das die Zeiten nicht passen, denn wenn die Piloten Kea (nahe Athen) überfliegen, können sie unmöglich eine Minute später im ägyptischen Luftraum sein! Um 2:40 Uhr jedenfalls verschwindet der Airbus dann nach extremen Links-, Rechts-  und Kreisflugmannövern unter gewaltigem Höhenverlust vom Radar. Um 2:41 Uhr bekommt die Maschine bereits den offiziellen Status "in Gefahr".

Es ist absolut  unplausiebel das die Piloten die angebliche Rauchmeldung um 2:26 Uhr beim späteren Gespräch mit der Lutraumüberwachung (2:29 Uhr) nicht erwähnten. Dieser Umstand lässt für mich nur den Schluss zu das es keine Rauchmeldung gab, denn eine Solche hätten die Piloten nie übersehen und auch bestimmt angesprochen. Auf jeden Fall sollen die Piloten um 2:37 Uhr etwa 15 Seemeilen weit im ägyptischen Luftraum gewesen sein als die Probleme auf ihrer Reiseflughöhe von 11.300 Metern auch auf dem Radar sichtbar wurden. Es wurden keinerlei Notrufe in dieser Zeit von der Crew gesendet, (oder besser gesagt von den Towern empfangen) trotzdem schienen die Piloten im Cockpit um ihr Leben zu kämpfen, was die harten Flugmannöver belegen.

Die Maschine stürzte nämlich nicht einfach ab, sondern hielt zwischen den Sturz- und Kurvenflügen zwei mal die Höhe. Solche Mannöver erninnern mich spontan an Ausweichbewegungen....zum Beispiel um einer anfliegenden Rakete auszuweichen. Oder eine Rakete traf direkt ein Triebwerk - Die Maschine bricht zur Seite weg, wird aber vom Piloten abgefangen.(Zick-Zack Flug) Der Pilot leitet wg. Druckverlust den Sinkflug ein (Höhenverlust) usw. usw. eventl. geschieht noch etwas anderes was den endgültigen Absturz bedeutet. Das Ganze scheint nur graue Theorie zu sein, wirkt aber zusätzlich pikant wenn man israelische Nachrichten liest. Zwei Tage vor dem Absturz der Egyptair nahm die israelische Armee ihr seegestütztes Raketensystem "Iron dome of the seas" im östlichen Mittelmeer in Betrieb. Dieses, auf Schiffen montierte Luftabwehrsystem, soll anfliegende Raketen und Flugzeuge mit feindlicher Absicht abschießen. Bereits am Donnerstag Nachmittag nach dem Absturz von MS804 tritt der israelische Verteidigungsminister Jaalon zurück und rechnet gleichzeitig mit der Regierung Israels ab. Seiner Ansicht nach hätten Extremisten das Land übernommen, schimpfte der Ex-Verteidigungsminister. Seinen Nachfolger Liebermann kann man auch wohl durchaus als solchen bezeichnen.

Zugegeben noch alles keine Beweise, aber eine auffällige Chronologie der Ereignisse. Da wirkt die frühe Rauchmeldung der "Systeme" beinahe wie gepflanzt um den Verdacht auf terrorristische aktivitäten zu lenken, genau wie die jetzigen Meldungen aus England (auch vom Stern) nach denen das  Flugfeldpersonal vor 2 Jahren in Kairo angeblich auf die Maschine geschrieben hätte "sie werde abstürzen/runtergeholt"

Es scheint mal wieder das typische Durcheinander zu herrschen, welches entsteht wenn etwas vertuscht werden soll. So oder so, nichts weiter als ein Bauchgefühl...aber ein Mächtiges!

Liebe Grüße

Euer Micha

Quellen: 

NTV - Chronologie der Ereignisse
Zeit - Elektronik von MS804 meldete Qualm
ABC News go - Defence Chief quits
Breaking Israel News - IDF unveils "Iron dome of the seas"
Zeit - Israels Verteidigungsminister tritt zurück
AERO - Flug MS 804 drehte sich wie wild
Stern - Wirbel um Grafitti

Sonntag, 3. August 2014

Es gibt immer zwei Seiten eines Konfliktes, auch dann wenn nur eine erlaubt ist...



Trümmerlandschaft in Gaza - Bildquelle: The Guardian

Der Gazastreifen ist seit 2005 komplett von Israel abgeriegelt, es kommt gerade noch so viel ins Land das es keine Hungersnöte gibt. Auch der ägyptische Grenzabschnitt wird stark bewacht und seit die palästinenserfreundliche Mursi-Regierung 2013 weggeputscht wurde hat sich der Ring um den Gazastreifen vollends geschlossen. Verwandte außerhalb von Gaza besuchen - mehr als schwierig, Studium außerhalb von Gaza - ein Traum, Arbeit mit Zukunft innerhalb von Gaza - eine Wunschvorstellung. Man hilft sich gegenseitig, das lindert ein wenig die Not und wenn man zusammen dann wichtige Dinge reparieren will fehlt doch wieder das benötigte Material. Ich kann mich noch gut daran erinnern als den Palästinensern Baumaterial zur Reparatur und Ausbau von Krankenhäusern, Schulen und öffentlichen Gebäuden gesperrt wurde. Die Israelis meinten mit Mörtel, Steinen und Zement ließen sich auch Bunker bauen - welch zynische Begründung! Palästinensische Boote dürfen nur bis 3 Meilen auf das Mittelmeer ausfahren, sollte es ein Fischer aber doch wagen weiter hinaus zu fahren um an ergiebigere Fischgründe zu kommen, würde sein Boot unweigerlich von israelischen Kriegsschiffen beschossen. Gutnachbarliche Beziehungen sehen wohl anders aus! All das erinnert eher an ein Verhältnis zwischen einem Wächter und einem gefangenen - nur dass es sich hierbei um fast 2 Millionen Gefangene im Gazastreifen handelt, die sich auf weniger als 360 Quadratkilometer durchschlagen müssen.

Ist es da nicht eine absolut normale menschliche Reaktion diese Gefängnismauern zu untergraben. Tunnel zu bauen um das zum Leben notwendigste Schmuggeln zu können, Verwandte zu besuchen, oder mutige Journalisten in den Gazastreifen zu bringen, die Israel nie einreisen lassen würde? Auch darf man nicht vergessen das die meisten Menschen im Gazastreifen die Nachkommen jener Menschen sind, die 1948 aus ihren Häusern deportiert und nach Gaza verschleppt wurden. "So...und nun bleibt gefälligst hier, Euer Besitz gehört jetzt uns - ihr könnt Euch hier ja was neues aufbauen!" Würde ein normaldenkender Mensch  auf den Gedanken kommen das die Palästinenser dies freudestrahlend hingenommen haben? Wohl nicht - die Wut sitzt tief, allerdings müssen sich die Palästinenser der Multimilliarden schweren israelischen Militärmacht beugen, Israel hat schließlich die viertstärkste Armee der Welt - Widerstand ist zwecklos!

Die ohnehin schwache Wirtschaft in Gaza wird ständig von  Israel sabotiert, Fachkräfte auf ihrem Weg zur Arbeit schikaniert. 2002 zerbombten die Israelis sogar den (von der EU gestifteten) Flughafen  Gazas - den Rest gaben Diesem dann die mitgebrachten Bulldozer. Zukunftsaussichten - scheinbar keine! Eine Radikalisierung der Wählerschaft im Gazastreifen war unter solchen Umständen nur eine Frage der Zeit. Mit vorgetäuschter Stärke und markigen Sprüchen gelang der Hamas genau das, was jeder radikalen Partei in Europa unter ähnlichen Umständen ebenso gelungen wäre.  Jeder Konflikt hat halt zwei Seiten und mir liegt daran auch mal die Seite jener zu beleuchten, die über keine weltweite Lobby verfügen, die eben nicht (wie Israel) in der Lage sind fast allen Nationen ihre Meinung als die alleingültige zu verkaufen - bis hin Staatsräson!

Auch die aktuelle Katastrophe im Gazastreifen geht (genau wie die Ursache der Spannungen im Gazakonflikt selbst) hauptsächlich auf die Politik Israels zurück. Vor kurzem sind die vom US-Außenministerium geführten Friedensverhandlungen gescheitert. Dafür verantwortlich war laut Außenminister Kerry Israel, weil es immer wieder für den Siedlungsbau Gebiete im Westjordanland annektierte und die Zusage nicht einhielt, Gefangene freizulassen. Als Reaktion darauf bildeten die eigentlich zerstrittenen Parteien Fatah und Hamas ein Bündnis. Dies wurde von EU und USA begrüßt, aber Israels Premier Benjamin Netanjahu erklärte, dies nicht hinnehmen zu wollen. Netanjahu benutzte die bis heute unaufgeklärte Ermordung dreier Jugendlicher, um Hunderte Hamas-Mitglieder zu verhaften; viele Palästinenser wurden vor und nach diesen Morden von Israels Polizei und Armee umgebracht. Die Reaktion der Hamas darauf war der Beginn des aktuellen Raketenbeschusses - der wiederum mit den unglaublich harten Luftangriffen Israels und dem Einmarsch in den Gazastreifen beantwortet wurde. Die Totenzahlen gehen bereits jetzt in die tausende, mitten in Wohngebiete werden von der israelischen Luftwaffe Massenvernichtungswaffen abgeworfen die unsagbar heißes, flüssiges Metall bei ihrer Detonation umher wirbeln. Gezielt werden Krankenhäuser und Uno-Einrichtungen beschossen um Angst und Terror zu verbreiten...das ist beileibe nicht die Reaktion einer besonnenen Demokratie, sondern der Beginn einer Entvölkerungsstrategie gegen die Palästinenser.

Israel verfügt mit dem Mossad über den besten Geheimdienst der Welt, Israel hätte wie eine wirkliche Demokratie mit allen Mitteln ERMITTELN können um die Schuldigen hinter Gitter zu bringen, aber das war wohl nicht gewünscht. Gewünscht war anscheinend eine Eskalation der Ereignisse in deren Verlauf Israel sich ein für alle male der Hamas entledigen- und sich später den Gazastreifen aneignen könnte. Allein deshalb verdient Israel Sanktionen wie Putins Russland sie leider fälschlicher Weise auferlegt bekommen hat. Eigentlich muss es doch schon dem Letzten in Deutschland aufgefallen sein das immer der Falsche die Prügel bekommt - das muss aufhören und darf nicht mehr weiter unterstützt werden, aber da Folgsamkeit schon immer die "beste" deutsche Eigenschaft war - hege ich verdammt wenig Hoffnung!

Liebe Grüße

Euer Micha


Quelle:

Mittwoch, 18. Juli 2012

Ägypten - Ein Reisebericht


Tja, nun bin ich in meinem Jahresurlaub. Ich befinde mich momentan in Ägypten nahe der Grenze zum Sudan. Wir haben eine Nilkreuzfahrt gebucht und sind von Luxor aus bis zum Assuan-Staudamm vorgedrungen. Von hier aus geht es zu Ausflugzielen rund um den Nasser-Stausee, wie z.B. "Abbu Simbel" o.ä.. Da wir sehr viel Glück mit unserem koptischen Reiseführer hatten, konnte ich auch ein wenig über diverse Hintergründe hier im Lande erfahren. Einige Routen wurden durch gemeinsame Absprachen etwas Abseits der üblichen Touristenpfade gewählt, was mir einige sehr schöne Eindrücke verschaffte. Auch einiges über die politische Lage in Ägypten, sowie über die Meinungen einiger Einheimischer konnte ich in Erfahrung bringen. Die hier widergegebenen politischen Meinungen und Informationen entsprechen also der Sichtweise mehrerer Ägypter die ich hier gesprochen habe.

Auf unserem Weg den Nil hinauf haben wir bereits den Karnak- und  Luxortempel aus der Pharaonenzeit besucht. Aus der späteren ptolemäischen Epoche kamen dann noch die Kom-Ombo, Edfu und die Philae-Tempel Anlagen hinzu. Es war einfach nur faszinierend, zumal unser Guide ein studierter Archäologe ist, der z.Zt. an seiner Diplomarbeit schreibt und fließend Hieroglyphen lesen kann! Aber das Wissen über die Reiche der Pharaonen wäre für einen solchen Post zu umfangreich, und so wende ich mich nun anderen Dingen zu... ein paar Bilder enthalte ich Euch dennoch nicht vor...

 

 
Eine besonders schöne Sache war der Besuch eines (ausnahmsweise mal nicht von Händlern und Touristen überlaufenen ) nubischen Dorfes, welches versteckt in den tropenartigen Nilauen lag. Dieser Ausflug stand für alle anderen auf unserem  Schiff, wie auch auf den anderen Kreuzfahrtschiffen nicht zur Verfügung...deshalb waren wir auch heute die einzigen Touris dort.
So erfuhr ich, das der geneigte Nubier sehr abergläubig ist. Aus diesem Grund halten sich viele Nubier Krokodile, welche den "Bösen Blick" (Neid, Missgunst der Mitmenschen) auffressen sollen. Ja Ihr hört richtig...Das Krokodil im Wohnzimmer ersetzt dem Nubier die Hauskatze. Ein  sehr  kleines Exemplar, dieser bis zu 10 Meter langen Tiere durfte ich auch in die Hand nehmen...trotz des zugebundenen Mauls ein sehr eigenartiges Gefühl...Der größte Bewohner des Hauses war mit ca. 2 Metern Länge und einem Alter von 8 Jahren auch ein Nilkrokodil, welches natürlich vor unserer Ankunft weggesperrt wurde...ein Foto durfte ich allerdings machen. Dieser Bewohner muss allerdings bald das Haus verlassen und in den Nasser-See umziehen, da die ägyptische Regierung Krokodile nur bis zu einer bestimmten Größe in nubischen Privathaushalten duldet. Hier ein paar Fotos...

 
 
Man mag in der westlichen Welt ja viel über Lehmhütten lästern, aber wenn man bei einer Hitze von  fast 50 Grad in eine solche kommt, fallen einem sehr schnell die Vorzüge dieses so gescholtenen Materials auf. Lehm isoliert hervorragend...in einer Lehmhütte ist es locker 20 Grad kühler als draußen. Um einen solchen Temperatursturz zu erreichen brächte man in unseren Ziegelstein- oder Betonbauten, den massiven Einsatz von Klimaanlagen. 

Auch auf kaltes Wasser braucht man in der Wüste erstaunlicherweise nicht zu verzichten...auch ohne Strom...!  Wenn man Tonkrüge in bestimmte abgedunkelte Stellen einer Lehmhütte stellt, so erreicht das Wasser unglaubliche 10 Grad. Mit dieser besagten "Kühltechnik" brachten schon die Arbeiter zu Pharaonenzeiten, den von der Sonne aufgeheizten Granit zum bersten. Dazu wurde vorher eine Reihe von Vertiefungen in den Granit geschlagen (vorzugsweise an Schwachstellen) und dann wurden auf den fast 100 Grad heißen Granit 10 Grad kaltes Wasser geschüttet, dieser Vorgang wurde so lange wiederholt bis der Granit auf einer unglaublichen länge barst. So brach man Obelisken von bis zu 40 Metern Gesamtlänge aus dem Fels..Unten seht Ihr Fotos des unvollendeten Obelisken von Assuan...dieser wäre, wenn er den Steinmetzen nicht zerbrochen wäre, mit 43 Metern der längste massive Granitobelisk der Welt gewesen!

 
Wir hatten unsere Reise bei einem sehr kleinen Veranstalter im Internet gebucht und waren in einer Gruppe von fünf Personen (inklusiv Reiseleitung) unterwegs, was uns die Möglichkeit eröffnete  etwas eigensinnigere Wege zu befahren, Sinn und Zweck dieser kleinen Umwege war es etwas vom einfachen Leben im heutigen Ägypten aufzunehmen. Auch hier bekamen wir auf unsere Fragen sehr kompetente Auskünfte. Hier mal ein paar Bilder aus Vororten in die Touristen ehr selten kommen...
 
 
 
 
 
Um in Ägypten normal leben zu können braucht eine Familie ca. 1500 Ägyptische Pfund, was bei einem Wechselkurs von 7,3 einen Monatslohn von umgerechnet 205 Euro bedeutet . Für die Ägypter wird es aber leider immer schwieriger einen solchen Lohn zu erzielen. Ein Familienvater muß oft noch nach der Arbeit Taxi fahren oder andere Hilfsjobs machen welche normalerweise von den Armen besetzt werden. So konkurrieren plötzlich Menschen mit mehreren Jobs, mit Arbeitslosen um immer weniger Arbeit. Verschärfend darauf wirkt sich der schwindende Tourismus und der hohe Analphabetismus im Land aus. Auch Analphabeten fänden in der Tourismusbranche Arbeit z.B. als Händlerhelfer, Zulieferer, Kunsthandwerker, Reinigungskräfte, Kutschenführer und Bootshelfer und vieles mehr.  Aber aufgrund des wackligen Neuanfangs der Demokratie hier bleiben viele Urlauber aus, was sich in einer höheren Kriminalitätsrate und in einem sehr aggressiven Händlerverhalten zeigt. Zugegeben, die Händler hier waren schon immer nervig, aber jetzt scheuen sie oft nicht davor zurück die potentiellen Kunden derart zu bedrängen das man fast schon handgreiflich werden muss um in Ruhe gelassen zu werden ....nicht zuletzt weil sie unter enormen finanziellem Druck stehen. Das alles macht die Lage im Land nicht einfacher, mehr Touristen allerdings schon. Die Menschen hier reißen sich den Arsch auf um uns einen schönen Urlaub zu bereiten. Liebe Urlauber, lasst die Ägypter bitte jetzt nicht in ihrer neuen Demokratie hängen und besucht dieses phantastische Land! 

Auch politisch gibt es in Ägypten noch eine Menge zu erledigen. Der neue Ministerpräsident Mursi befindet sich zwar noch in der 100 tägigen Schonphase, trotzdem wird er von seinem Volk mit Argusaugen beobachtet. In Mursis Konflikt mit dem Verfassungsgericht und dem Militärrat ist nämlich auch das ägyptische Volk tief gespalten. Ein Teil der gemäßigten islamischen Bevölkerung, so wie die Kopten stehen hinter der Auflösung des Parlamentes, da dieses angeblich als Bühne für Radikalprediger, Übergeschnappte und Unfähige dient. (Also fast wie bei uns *grins*) Die religiöse und streng konservative einfache Bevölkerung unterstützt Mursi jedoch in seinem Kampf für das Parlament. Fest steht aber, das die Zusammensetzung des Parlamentes nicht verfassungskonform abgelaufen ist und eine Lösung her muss die allen beteiligten in der jungen Demokratie hier gerecht wird... Mursi hat aber noch viel dringlichere Probleme. Am 15.07.2012 flog Mursi als erster ägyptischer Präsident seit 1995 nach Äthiopien, Ziel der Reise war es den Bau eines Nilstaudammes in Äthiopien auf dem Verhandlungswege zu verhindern. So ein Projekt würde Ägypten gewissermaßen das Wasser abdrehen. Da es in Ägypten fast nie regnet wäre eine Einschränkung des Nilflusses eine mittlere Katastrophe für das Land. Bis jetzt sind aber noch keine Ergebnisse  bezüglich der Äthiopienreise des ägyptischen Präsidenten durchgesickert.

 Leider haben wir auf unserem Schiff nur arabisches Fernsehen und kein Internet was eine Überprüfung der mündlichen Informationen sehr erschwert. Ich hoffe trotzdem ein klein wenig informiert und unterhalten zu haben. Nun geht unsere Fahrt wieder zurück und als Schlusshighlight stehen noch das Tal der Könige und der Hatschepsut- Tempel an, bevor es zum endgültigen entspannen in unser Hotel nach Hurghada geht. Von dort aus kann ich dann wieder in gewohnter Quellensicherheit berichten.

Liebe Grüße

Euer
Micha

Sonntag, 13. Februar 2011

Hinter der Fichte: Panoptikum 4/2011 - Wie sie die Wahrheit verdrehen...

Eigentlich wollte ich ein Update zu den aktuellen Ereignissen in Ägypten bringen, aber bitte einmal folgenden Bericht lesen, (link) damit wird jeder weitere Kommentar von mir überflüssig.

Hinter der Fichte: Panoptikum 4/2011 - Wie sie die Wahrheit verdrehen...: "Ägypten: Als hätte man Merkel durch Schäuble ersetzt. Mubarak ist in seine Ferienvilla „zurückgetreten.“ Sein Geheimdienstchef Suleiman amti..."

Großartig, großartig, großartig!!!

In meinem Blog vom 07.02.11 hatte ich auch schon darüber berichtet, das die ägyptische Armee von Obama in gelenkt wird, aber die so offen und präziese auf den Punkt gebrachte Tatsache, das den Ägyptern die Revolution gestohlen wird....einfach klasse, dem ist nichts mehr hinzuzufügen! Weiter so!!!

Liebe Grüße

Micha

Montag, 7. Februar 2011

Ein(blick) nach Ägypten



Als alter Aushilfsägypter interessiert mich natürlich die Lage in Ägypten sehr, zumal ich bereits mein Jahresurlaub in diese Region gebucht habe. Da ich jahrelang nach Ägypten in Urlaub gefahren bin und noch fahre, mag es von mir scheinheilig anmuten Mubarak zu verurteilen und seinem Regime gleichzeitig mein Geld in den Rachen zu werfen, aber lest selbst: In Ägypten macht der Tourismus 11,3% des Bruttoinlandsprodukts aus und bestreitet fast ein Fünftel der Devisen-Einnahmen. Rund 2,5 Millionen Ägypter arbeiten direkt oder indirekt in der Reisebranche. Das sind rund elf Prozent der arbeitenden Bevölkerung. Im Durchschnitt hat ein Haushalt fünf Personen. Das heißt, circa zwölf Millionen Menschen leben von der Reisebranche, vor allem ungelernte Kräfte, die sonst keine Chance auf dem ägyptischen Arbeitsmarkt haben, finden in der Touristikbranche reichlich Arbeit. Auch wenn sich die ägyptischen Clans und hohe Regierungsbeamte in korrupter Manier gegenseitig Gewinne zuspielen, (die Ägypter nennen diese Leute übrigens „Fette Katzen“) so hat der „kleine Mann“ in Ägypten relativ viel vom Tourismus. Es wäre also eine ethische Abwägungsfrage ob man dort hin fährt oder nicht. Auf der einen Seite wäre das Regime Mubarak nicht so lange ohne den Reiseverkehr an der Macht geblieben, aber wer einmal in das Gesicht eines Beduinenjungen (die meistens gar keine richtigen Nomaden mehr sind) gesehen hat, wenn man ihm eine 20 Pfund Note (ca. 2,80 €uro) in die Hand gedrückt hat, der wird verstehen warum Touristik für arme Leute dort so wichtig ist. Es geht hier nicht um Almosen, sondern darum den Leuten dort mit Respekt zu begegnen und gerade solchen Kindern die Aussicht auf einen zukünftigen Job zu ermöglichen, denn die Kellner, Köche, Annimatoren, Gärtner, Bootskapitäne, Putz- und Servicekräfte verdienen für ägyptische Verhältnisse nicht schlecht und können in einer Saison so viel verdienen das sie, sparsamen Umgang vorausgesetzt, für den Rest des Jahres auskommen können. Hätten also alle Urlauber aus politischen Gründen Ägypten als Urlaubsland ausgeschlossen, so hätten viele Menschen dort weder Geld noch Arbeit und Essen gehabt…..egal was man getan hätte….ein Boykott wäre keine Lösung gewesen, deshalb bin ich weiter nach Ägypten in Urlaub gefahren. Nun bleibt nur zu hoffen dass nach dem Umbruch der Ägyptentourismus vielleicht in bessere Hände gelangt und die Gewinne daraus mehr dem ägyptischen Volk dienen als bisher. Erst einmal wird wohl gerade die Touristikindustrie durch die Veränderungen leiden müssen, was mir für viele Ägypter die ich dort kennengelernt habe leid tut, aber es könnte auch ein neuer Aufbruch zu einer besseren und gerechteren ägyptischen Reiseindustrie sein. Genug nun vom Reisen…richtig gut ging es den Ägyptern eigentlich nie, die meisten Gewinne gingen immer an ausländische „Investoren“ oder an Regierungsbeamte die ihnen entsprechende Lizenzen und Genehmigungen ausstellten. Eigentlich dürfte es nicht so viele Analphabeten (ganze 50%), hungernde und arme Menschen in Ägypten geben, da das Land verhältnismäßig wohlhabend sein müsste, aber es ist wie überall auf der Welt. Auch Mubaraks Regime hatte nicht mehr genug Geld um selbst die Vorzeigeprojekte des Landes instand zu halten. Zum Beispiel werden die Energieerzeugungsanlagen am Assuan Staudamm seit langer Zeit nur noch mangelhaft gewartet was zu ständigen Stromausfällen im ganzen Lande führt. Der Grund dafür sind die Staatsschulden Ägyptens, immerhin 105% des BIP, die bedient werden müssen. Auch ein starker Schuldenerlass der als Belohnung für Ägyptens Haltung im Irakkrieg gewährt wurde half nicht viel. Es ist halt immer zu wenig Geld da, besonders für Bildung und soziales! So geht die kostenlose sehr schlechte staatliche Schule nur bis zum 12 Lebensjahr, eine vernünftige schulische Ausbildung nach europäischem Standard kostet in Ägypten immerhin 50.000 ägyptische Pfund und ist für einen normalen Ägypter kaum erschwinglich. So etwas wie einen Aufstand haben viele Ägypter kommen sehen, nur sprach man darüber angesichts der starken Polizeipräsenz im Lande immer sehr leise. Mich haben die Unruhen und der Protest allerdings sehr überrascht, ich kannte zwar die Unzufriedenheit der Ägypter, hätte aber nicht mit so viel offenem Mut gerechnet, da man doch sehr viel Respekt vor der schwer bewaffneten und harten Polizei im Lande hatte. Angesichts der offensichtlichen Wahlmanipulation nach der letzten Wahl im November muß die Frustration der meisten Ägypter so groß gewesen sein, das die Duldungshaltung in der Bevölkerung umgeschlagen ist. Sogar Teile der Regierungspartei fanden, dass es so nicht geht, 80 Prozent für Mubaraks Partei seien zutiefst unglaubwürdig. "Wir haben dann die Bilder aus Tunesien verfolgt", meinte ein einfacher Ägypter namens Husin. Dazu hieß es im ägyptischen Staats-Fernsehen: "Tunesien ist eben ein Land, in dem die Menschen ihre Meinung nicht frei sagen könnten, während es den Ägyptern sehr gut geht." Dann fügte Husin noch hinzu: "Für mich hat die Regierung die Stimmung im Land ziemlich falsch eingeschätzt!" Besser hätte es wohl kein Politanalyst sagen können! Auch Mubaraks Haltung im Irakkrieg und dem ägyptischen Erzfeind Israel gegenüber legte eine Saat des Zorns in der eigenen Bevölkerung, so kam es wie es kommen musste. Das eigene Volk richtete sich gegen seinen selbsternannten Dauerpräsidenten. Bereits am Dienstag den 25.01.11, bei den ersten Protesten auf dem Tahrir-Platz in Kairo, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen der Demonstranten mit der Polizei, die offensichtlich durch die Polizei provoziert wurden. Bis heute dauern die Zusammenstöße in denen es Tote und Verletzte zu beklagen gibt an.

Hier noch eine kleine Kostprobe, wie rücksichtslos die ägyptische Polizei friedliche Demonstranten überfährt:



Auch das Militär marschierte mit schwerem Gerät auf, verhielt sich aber im Gegensatz zur Polizei ruhig. Auch die USA wollen nun offenbar einen Machtwechsel in Ägypten. Während Präsident Husni Mubarak weiter an seinem Amt festhält, gibt es einigen Medienberichten zufolge bereits Verhandlungen hinter Mubaraks Rücken, in denen Obama über eine Regierungsübergangslösung unter Beteiligung des Militärs verhandelt - Deshalb und nur deshalb verhält sich Ägyptens Militär so vernünftig, es wird von Obama in Schach gehalten und möchte später auf der Seite des Siegers stehen. Ob der ehemalige Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation Mohammed el-Baradei, der sich als Oppositionsführer auch noch selbst ins Spiel gebracht hat, die richtige Wahl für Ägyptens Rettung darstellt ist wohl mehr als fraglich, da er im eigenen Land ehr als Amerika- und UNO Handlanger gilt.
Während all dieser Ereignisse begannen plötzlich Störungen bei den ägyptischen Kommunikationsdiensten von Telefon bis Internet, sodass zahlreiche Internetdienste sowie Handynetze nicht mehr verfügbar waren. Dann, am Donnerstag geschah es….Ägypten ist offline. Auf einen Schlag, so scheint es, wurde fast das ganze Land von der Außenwelt abgeklemmt. Die Abschaltung erfolgte am Donnerstagabend um 23.34 Uhr deutscher Zeit, berichtet das Internet-Beratungsunternehmen Renesys. Damit sind fast 85 Millionen Menschen vom Informationsaustausch mit dem Rest der Welt ausgeschlossen worden, ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des Kommunikationszeitalters. Erste Kollateralschäden an Ägyptens Wirtschaft sind bereits jetzt zu erkennen, eine Ausnahme gab es jedoch. Denn ein einziger Internet-Provider war von den Sperrmaßnahmen der ägyptischen Regierung offenkundig ausgenommen worden: Noor Data Networks. Die Dienste dieses Anbieters, dessen Name im Ägyptischen das Wort für "Licht" ist, sind auch am Freitag noch zu hundert Prozent von der ganzen Welt aus erreichbar gewesen. Eine Lücke im Absperrgitter? Ein Missgeschick? Wohl kaum. Noor Data Networks ist der Provider, über den die ägyptische Börse mit dem Internet verbunden ist. Mubaraks Mannen haben Prioritäten gesetzt oder es ist ihnen so befohlen worden. Ob die Finanzelite nun hinter dem Aufstand steckt oder sich über ihn ärgert sei dahin gestellt, jedenfalls konnten sie Ihre Schäfchen an der ägyptischen Börse ins trockene bringen….welch ein Zufall! Ich behalte das auf jeden Fall im Auge.

Liebe Grüße

Euer Micha

Quellen:
Wie Ägypten aus dem Netz Verschwand - Spiegel
Ein Volk versucht den Aufstand - Die Zeit
Obama verhandelt mit Mubaraks militär - Taz
Ägyptens Reisebosse sind korrupte Eliten - Focus