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Sonntag, 26. Oktober 2025

Auto Hifi mal anders - Oder wie man fetten Sound zwangsweise unsichtbar macht!

Teil 2

Im ersten Teil meines Artikels behandelte ich, wie ich vor vollendete Tatsachen gestellt wurde um Car-Hifi technisch erwachsen zu werden und es ging um die Auswahl der Komponenten, sowie den Einbau der Türlautsprecher in den Hyundai i30 PD. Wenn Ihr ein wenig runter scrollt könnt Ihr also mit dem ersten Teil meines Soundupgrades beginnen - oder klickt einfach hier. Nun auf zum zweiten Teil....

Wie geplant versuchte ich nun am darauf folgenden Samstag den zweiten Step meines Hyundai Soundupgrades zu realisieren. Die Lautsprecher waren ja bereits eingebaut, jetzt sollte der DSP CO-40.5 von Audio System und der Option Drive 7.6UP eingebaut werden und zum Einsatz kommen. Die Front-Innenraumverkleidungen ließen sich ebenfalls mit dem Kunststoff "Kuhfuß" Set und einem Kreuz-Schraubendreher sehr einfach abnehmen (hier nochmals das YouTube Video dazu)

 


Nach dem Ausbau des Radios (ebenfalls YouTube Video hier) und der Installation des Y Adapters für i30 "Plug and Play Lösungen" beschlich mich irgendwie ein ungutes Gefühl, welches sich bei näherer Kontrolle bestätigte. Zum einen erwies sich das Adaptersystem von Audio System als viel zu kurz und zum anderen schien beim Tomzz Audio Adapter der Strom Rückweg vom DSP zum Serienradio zu fehlen, ich hatte also Strom für den DSP, allerdings fehlte der "Bypass" zurück zum Radio. So viel zum Thema "Plug and Play" - Siehe Foto.

 


                             

Nichts was sich nicht mit Lötkolben, Schrumpfschlauch, Kabeln und Wago-Klemmen fixen ließe, aber es war mal wieder eine Menge unerwarteter Mehraufwand. Ich verlängerte also den Audio System "High Power Adapter" und verpasste dem Tomzz Audio Y Adapter seinen Strom-Bypass zum Fahrzeugradio. (Siehe Fotos) Nun funktionierte alles auf den ersten Blick einwandfrei. Jetzt noch schnell das Subwoofer Lautsprecherkabel in der Mittelarmatur versteckt, sowie von da aus unter den Beifahrersitz geführt und den Option Sub angeschlossen...Voila! Starker Sound, aber  immer noch mit Luft nach oben. Ich dachte, erst mal alles an Kabelsalat rein und dann schnell alles über Bluetooth konfigurieren....gut ist!

                                            Verlängertes "Hi power Kabel" von Audio System

Also baute ich alles ein. Eines kann ich Euch auf jeden Fall dazu sagen, die Nummer ist schon ein ganz schöner Fingerbrecher. Die ganzen Adapter hinter dem Autoradio links nach unten zu führen und den DSP zwischen den Lüftungskanälen unter sehr sehr beengten Platzverhältnissen mit Kabelbindern fest zu zurren, das ist eigentlich nur was für kleine Chinesenhände. Trotzdem habe ich es mit viel Fummeln, unter massivem Ausstoß von nicht jugendfreien verbalen Wutausbrüchen, geschafft....allerdings nur um auf das nächste Problem zu stoßen.

Beim anschließenden Versuch mit meinem Handy via Bluetooth den DSP zu konfigurieren, ließ sich mein Poco ums verrecken nicht mit dem Audio System DSP koppeln. Das Kopplungsfenster öffnete sich in diesem Fall in der App einfach nicht und nach einer dauerhaften Ladeanzeige (Endlosschleife) kam zum Schluss ein roter Fehlerbildschirm. (siehe Foto)

 


 

Aus der Traum für dieses Wochenende, aber der Sound des DSP war schon ohne die Anpassung ziemlich zufriedenstellend, weshalb ich erst einmal beruhigt beschoss "auf einem guten Weg zu sein und am Montag Audio System zu befragen". Nach einem Mailwechsel mit dem echt kompetenten Softwareentwickler von Audio System (Oliver Brackelmann) musste ich den DSP zu Ihm senden, da ein Hard- und Softwareupdate erforderlich war, der online Händler hätte wohl ältere Lagerware verkauft, da mein Gerät keinen Softwareversionsaufkleber hatte - so sein korrektes Statement. 

Also deshalb eines vorweg: ACHTET BITTE BEIM KAUF DES AUDIO SYSTEM DSP CO 40.5 AUF EINEN SOFTWARE VERSIONSAUFKLEBER, EGAL WECHEN SOFTWARESTAND!!!! Denn nur so kann das Gerät mit der App kommunizieren!!!!

Das doofe an der Sache war natürlich - Alles musste wieder raus - Katastrophe! Die Hin- und Rücksendung zu Audio System dauerte inklusive Reparatur gerade mal 8 Tage - Also der Service von Audio System ist wirklich super! Und das Gerät was ich dann zurück bekam ebenso. Nach den Routing Einstellungen (Subwoofer auf Kanal 7: + 3 dB - Butterworth 12 dB Filter, Kanal 1 und 2 Front LS: -1,5 dB, Kanal 3 und 4 Heck LS: +1,5 dB) und der Überprüfung der Phasenlage erhielt ich einen 1A Klang!!! Jeder Lautsprecher ist natürlich individuell einzeln konfigurierbar, Equalizer, Frequenzweichen Phasenlage, Ansteuerung alles war über die App einstellbar, es war wie Zauberei...was der Sigma Chip von Analog Devices in diesem DSP ablieferte, wenn man sich dann noch daran gewöhnt, das der 5. Kanal (für den passiven Option Sub) nur auf Kanal 7 konfiguriert werden kann, was mir zwar etwas unlogisch erschien - aber egal, erhält man ein grandioses Klangerlebnis!!! Und das Beste ist, ALLES sieht vollkommen nach Serie aus, ein klassischer Wolf im Schafspelz und der Kofferraum ist jetzt einfach nur RIESIG ganz ohne Subwoofer ;o)

 




Ich hätte niemals zu hoffen gewagt, das so ein 12x8 cm kleines DSP Miniding 5x60 Watt RMS an 2 Ohm raushaut und das in einer Souveränität das sich Gänsehaut am ganzen Körper einstellt! Von Dire Staits bis Usher...das Ding knallt und brilliert das es eine wahre Freude ist, besonders übers Handy, was zu guter letzt auch ein Verdienst der ausgewählten Lautsprecher von Ground Zero und vor allem von dem Option Drive 7,6 UP zu sein scheint. 

Da ich ja alles wieder ausbauen musste um den reparierten Audio System DSP wieder einbauen zu können, habe ich dem Kleinen noch zum Abschluss einen 6 cm 12V Lüfter spendiert, den ich via Zündungsplus anschoss. Als Vorsichtsmaßname gewissermaßen, da ich kein Bock habe diese ganze Frickel-Sache nochmals auf Grund mangelnder Luftzirkulation und thermischer Probleme durchstehen zu müssen.

Diese kleinen "Zusatzleistungen" (Siehe Foto) hätten mich im Autohaus fast 4000 Euro extra gekostet, in Eigenregie waren es 1200,- wovon allein 530,- für das hier beschriebene Soundupdate fällig wurden.

Jedenfalls toppt das Ergebnis dieser Odyssee alle meine Erwartungen und ich muß sagen das sich der Aufwand gelohnt hat, auch wenn es ein paar Stolpersteine gegeben hat. Ich habe aber ein wenig das Gefühl das die teuren Komplettsysteme zwar nicht besser sind als das was ich hier getrieben habe, aber ich denke die Zusammenstellung wurde vorher ausprobiert und zwar von Menschen und das nicht nur in der Theorie - Dann kann Plug und Play sicherlich funktionieren. Sowas kostet nun mal, ich war gewissermaßen "Beta-Tester" und habe durch meinen Einsatz zwar Geld gespart, (mehr als die Hälfte) aber auch Zeit und Nerven investiert (3 komplette Samstage) Weil meine Zusammenstellung halt noch nicht ausgereift war. Wogegen ich früher an einem WE eine komplette Car Hifi Anlage nebst Radiotausch, Endstufe, Subwoofer und Lautsprecher realisiert habe - und das ohne Plug and Play! Sei es drum. Heute ist einfach vieles komplexer und nicht ganz ausgereift, um trotzdem gute Ergebnisse zu erzielen musst Du entweder ein bisschen pfiffig sein oder viel Geld ausgeben...ich bevorzuge halt das erste.

 

Beste Grüße

 

Euer Micha



 


Auto Hifi mal anders - Oder wie man fetten Sound zwangsweise unsichtbar macht!

 Teil 1

Ich kam im Juli aus meinem "Kurort" in Ägypten zurück, aus jener Zuflucht, welche mir nach 3 Wochen die nötige Kraft verleiht, den alltäglichen Wahnsinn hierzulande zu überstehen. Frisch gelandet fand ich unsere Straße in voll gesperrtem Zustand wieder, selbst für Anwohner. Schön dachte ich, ohne vorherige Info und ich hatte alle meine gesundheitlichen-, technischen- sowie bürokratischen Termine in die letzten paar Tage meines Urlaubs gelegt, sowie mein Auto auf unserem Grundstück belassen. Irgendwie versuchte ich dann alles mit dem E-Bike zu erledigen, bis auf meinen Auto-Werkstatt-Termin natürlich - bei strömendem Regen versteht sich. Als die Sanierung der Straße vollendet war und ich den zweiten Tag nach meinem Urlaub endlich wieder mit dem Auto zur Arbeit fuhr - natürlich ohne meinen Werkstatt-Termin wahrgenommen zu haben.... brach mir während der Fahrt mein linker, vorderer Querlenkerträger mit verheerenden Folgen für meinen alten Seat Ibiza ab. Lange Rede kurzer Sinn "Katastrophe" -  Abschlepp- und Reparaturkosten legten einen Auto-Neukauf nahe. (Siehe Foto)

 

 

Ich bin in meinem Leben immer alte Karren gefahren und hab das auch bis zu diesem Tage im Juli nie bereut, aber die Nummer war echt lebensgefährlich, deshalb entschied ich mich erstmalig für einen Neuwagen, einen Hyundai i 30 PD, so wie er im Autohaus stand. Da ich aber immer schon audiophil veranlagt war, stellte mich dieses Fahrzeug vor eine neue Herausforderung. Wie zur Hölle kriege ich da drin einen guten Sound hin, ohne den i 30 mit gigantischen Subwoofern und Audio Caps, sowie fetten Stromkabeln zu verunstalten? Vorher bei 10-20 jährigen Autos war mir das eigentlich immer egal - nur jetzt?! Zeit erwachsen zu werden!

Ich betrat also absolutes Neuland für mich. Vorher galt nur eine Richtlinie: "Bigger is better"! Nun, war natürlich Unsichtbarkeit das Gebot der Stunde. Ich klopfte naheliegender weise zuerst mein Autohaus und sämtliche Auto Hifi-Schmieden ab. Leider waren die Angebote diesbezüglich fachlich- oder finanziell indiskutabel - Also entweder inkompetent oder super, aber exorbitant teuer. Also selbst ist der Micha! Ich entschied mich, da das serienmäßige Setup erhalten bleiben sollte, für eine "plug and play" Lösung. Nach langer Suche hab ich dann was zusammengestellt, was den Geldbeutel schont und doch auf dem Niveau von Match-Audio, Sonus, Option, Focal oder anderen Auto-Soundupgrades spielen sollte, welche locker in vierstellige Preisregionen vordringen. Statt dessen wurde von mir mit Zubehör und Kleinmaterial lediglich 530,- Euro bezahlt.

 Folgende Teilnehmer kamen zum Einsatz:

1. Der 5 Kanal DSP co 40.5 von Audio System. (249,-)

2. Vier Grond Zero 165mm Koaxial-Chassis mit i 30 PD Kit "GZIF 6.5". (148,-)

3. Der passiv Untersitz-Subwoofer Drive 7.6 UP. (99,-)

Und weil es so unschön ist original Kabelbäume zu zerrupfen kam ein i30 Y Adapter für Plug and Play Systeme von Tomzz Audio zum Einsatz (31,99). So weit, so gut dachte ich, allerdings sollten noch ein paar unvorhergesehene Problemchen auftauchen, welche es so, früher nicht gegeben hätte. Aber Eines nach dem Andern.

 


Ich begann hoffnungsfroh mit den Türlautsprechern, denn die Türverkleidungen ließen sich beim i30 sehr leicht entfernen, dazu gibt es im übrigen tolle YouTube Videos. Einzig nötige Werkzeuge dazu sind, ein Kreuzschlitzschraubendreher und ein Kunststoff "Kuhfuß" - Bei Amazon als Set für ganz kleines Geld zu erwerben. (siehe hier) Diese Werkzeuge reichen ebenso für die Demontage sämtlicher Innenverkleidungen beim i 30 aus. Nach dem Ausbau der vietnamesischen Originallautsprecher (nebenbei erwähnt, völlig unzureichend die Teile) musste ich feststellen, das die Passringe der Ground Zero Chassis trotz der Ebay Teilegarantie (für Hyundai i 30 PD) nicht, aber auch nicht im entferntesten, passten. Es war Samstag Nachmittag und ich hatte mir eigentlich vorgenommen (zumindest die Lautsprecher) an diesem WE einzubauen, an wirklich passenden Adapterring-Ersatz war jetzt nicht mehr kurzfristig heran zu kommen....ich musste mir also etwas einfallen lassen. Die dünnen Plastikringe gefielen mir sowieso nicht wirklich, deshalb zersägte ich kurzer Hand die originalen Lautsprecher, deren Korb, gleichzeitig auch der Befestigungsring war (siehe Foto) - das Ergebnis: Absolut genau passende Einbauringe, sogar die Steckverbindungen waren nach kurzer Kabel-Anschuss-Modifikation hiermit integriert, sodass der Original Kabelbaum nicht angetastet werden musste - Grandios!!!! Sowas gibt es allerdings auch für knapp über 70 Euro für sämtliche Autos und Chassis aus stabilem Aluminium.

 



Nach dem Einsetzen aller, so modifizierten Türlautsprecher, sowie dem Zusammenbau der vier Türen, gab es einen ersten Soundcheck. Und tatsächlich brachten die neuen Ground Zero Mittelklasse Lautsprecher eine erhebliche Verbesserung. Einiges mehr an Dynamik und Klarheit. Für ein (bis jetzt) reines Lautsprecherupgrade - richtig gut! Da das Ergebnis derart positiv war verzichtete ich darauf noch Alubutyl in die Türen zu kleben, auch aus Sorge das der Kram später bei der nächsten Sommerhitze runter kommt. Am nächsten Samstag sollte dann der DSP und der Subwoofer folgen...ich verrate nicht zu viel wenn ich sage, dass es auch hier zu einigen Schwierigkeiten kommen würde.

 

Der zweite Teil folgt umgehend....

 

Beste Grüße

 

Euer Micha

Sonntag, 17. November 2024

In the Naim of love, oder wie ich lernte einen Clone zu lieben. Teil 2

Ich hatte mich langsam an die Ice Power Blöcke gewöhnt, klanglich so ziemlich das beste was ich bis heute in meiner Kette laufen hatte (meinen T+A A1500 natürlich ausgenommen). Allerdings war die Verarbeitung der Kaltgerätebuchsen mehr als grenzwertig, denn beim Abziehen der Stecker kamen einem die Buchsen aus dem Gehäuse entgegen - nicht ungefährlich, da die Netzschalter auch dort angebracht waren, muß man zwangsläufig immer hinter das Gerät an diese gefährlichen Buchsen greifen. Gehört werden mussten die Ice Monos über den XLR Eingang, da via Cinch ein Brummen zu vernehmen war, was auf eine schlechte Masseführung hindeutet. Alles Dinge die zu beheben sind, aber in der Summe, vor allem das Einschalten hinten, machte mich irgendwie nicht glücklich. Aber trotzdem wunderschöne Geräte, welche ich Euch nicht vorenthalten möchte.

 


Nun zurück zu meinem abgeschossenen Naim 250, dessen Teile nun endlich da waren. Nach dem alle Teile nun eingebaut waren und der Ruhestrom perfekt eingestellt war, begab ich mich noch an die Spannungseinstellung meiner Naim Kopie. Der Original Olive von Naim arbeitet mit etwa +-50 V mein Naim Verschnitt kam mit +-36 Volt an, was natürlich die reale Leistung des Verstärkers auf 60 Watt pro Kanal schmälert und somit nicht den Herstellerangaben entspricht. Da der Naim NAP 250 Clone (genau wie sein Original) über ein hochwertiges geregeltes Netzteil verfügt (sowas ist äußerst selten in der Hifi Welt) konnte ich die Spannung auf 45 V erhöhen, um somit auf etwa 78 Watt pro Kanal an 8 Ohm zu kommen, für die Original Sanken Netzteil Transistoren ein klacks, ebenso für die Onsemi MJ21196 Transis der Endstufe, die in der Standard konfig mit +-50V laufen. Gemessen wurde mit einem Sinus von 1 khz und einem 8 Ohm Leistungswiderstand je Lautsprecherausgang. (8,95 Euro bei Reichelt) Die Einstellung der Spannung erfolgt an den 4 blauen Wendelpotis, die ohne Pfeil. Das im Internet beschriebene Schutzschaltungsproblem (zu schnelles Abschalten bei hoher Last) behob ich durch die korrekte Einstellung der Schutzschaltung (auf dem Foto rechts die 4 Potis mit Pfeilen auf den beiden Netzplatinen). Um eine bessere Wärmeableitung zu gewährleisten versorgte ich die Endstufentransistoren und den Übergang der Kühlbleche zueinander mit Wärmeleitpaste. Es war also vollbracht...jetzt musste er nur noch funktionieren...und das nach Möglichkeit gut.


 

Da stand er nun in meiner Kette und der erste Höreindruck (als Hochmitteltonverstärker) war echt okay. Endlich hatte er Tiefe und Raum, nichts war mehr übrig von seiner vorherigen Zweidimensionalität, er spielte etwa auf dem Niveau der Ice Power und brauchte ebenfalls kein Poti wegen der Lautstärkeanpassung zur T+A Endstufe. Es war so als hätten die Beiden schon immer zusammen gespielt. Zuerst lies ich ihn die LP "The best of the Pogues" spielen, was der Naim Verschnitt auch mit bravour hin bekam, es war eine Reise mitten in einen Irish Pub, in dem Shane MacGowan wieder zum Leben erweckt wurde! Dann zog ich die Zügel mit Mike Oldfields Tubular Bells an und auch hier lies sich der Naim Nachbau nicht die Butter vom Brot nehmen. Je länger er spielte desto mehr gewann dieses kleine Verstärkerchen und als er sich bei Chris Jones "No Sanctuary" mit dem T+A gewissermaßen verbrüderte und wie ein einzelner Verstärker agierte nur viel entspannter, da hatte der Kleine mein Herz gewonnen. Instrumente klingen jetzt körperlicher, genau wie Stimmen was am Nachschwingen durch den niedrigen Dämpfungsfaktor des Naim liegen könnte. Hohe Dämpfungsfaktoren mögen wichtig für große bewegte Massen sein (Tieftöner), insbesondere um "grollen" zu verhindern, aber besonders im Hoch- Mitteltonbereich wird dieser Wert überschätzt, da hier keine großen Membranen gebremst werden müssen, fast ungebremstes Ausschwingen kann hier also die Musik natürlicher klingen lassen. Denn auch ein Stimmband oder eine Gitarrensaite schwingen im Original etwas nach. Außerdem rauscht der Naim Nachbau überhaupt nicht, es scheint fast als hätte man die falsche Quelle am Vorverstärker gewählt bevor das Musiksignal einsetzt - RESPEKT!

Das Fazit zum Naim Nap 250 Clone ist wohl wie folgt festzuhalten. Mit den richtigen Halbleitern und der richtigen Einstellung ist der China Naim verdammt nah am Original und wer sowas kann, sollte ruhig den Versuch wagen, denn er erhält einen top Verstärker zum Schleuderpreis. Der Neupreis des Clones liegt bei ca. 320-400 Euro plus Versand aus China, der schonmal locker über hundert Euro sein kann. Das Original von Naim geht selbst gebraucht in 4 stellige Dimensionen und ist nicht so zeitgemäß und edel von den Anschlüssen und vom Gehäuse her wie seine Kopie. Im Originalzustannd allerdings wird man wohl trotz der super Verarbeitung und des großen 400VA Ringkerntrafo etwas vom Clone enttäuscht sein.

Zum Schluß noch eine kleine und einfache Erklärung zum Ruhestrom. Dieser ist im besonderen für Röhrenverstärker höchst wichtig, aber auch bei herkömmlichen A/B Transistorverstärkern kann ein schlecht eingestellter Ruhestrom zu Problemen im Betrieb führen. Der Ruhestrom ist platt gesagt ein Strom der vor dem eigentlichen Eintreffen des Musiksignals die Endstufentransistoren/-röhren leicht öffnet und somit eine richtige Arbeitstemperatur und ein schnelleres Ansprechen auf das einsetzende Musiksignal ermöglicht. Ist der Ruhestrom zu hoch wird der Verstärker zu heiß, ist er zu niedrig gibt es Verzerrungen beim Nulldurchgang der Sinuswelle, der Verstärker klingt dann einfach ausgedrückt Scheiße ;o) Mathematische Formel ist das Ohmsche Gesetz (U=I*R) Bei meinem Naim Clone waren 0,5 Ohm Widerstände verbaut, (U:R=I 0,004/0,5=8mA) bei manchen Naim Kopien aber auch 0,22.(0,004/0,22=18mA) Aber keine Sorge selbst bei 20mA Ruhestrom läuft der Naim Clone wie ein Schnitzel und bleibt richtig cool. Klingt sogar etwas feiner im Hochton...hab ihn später auch bei mir auf 20 mA gestellt👍

Ich hoffe Euch einen kleinen Einblick verschafft zu haben in die Welt der Verstärker!


Liebe Grüße


Euer Micha



Samstag, 16. November 2024

Von killing in the "Naim" of, bis in the "Naim" of love - Oder wie ich lernte einen Clone zu lieben! Teil 1

Einige Tage nach einem ziemlich erfolgreichen Tuning meiner Anlage, (vorheriger Artikel) mutierte mein NAD C270 auf einmal zum Kontaktgrill. Die linke Seite wurde urplötzlich knall heiß, selbst dann wenn kein Signal anlag. Reflexartig schaute ich im Internet nach potenziellem Ersatz für meinen NAD, welcher als Hoch- Mitteltonverstärker in meiner Bi-Amping Konfiguration lief. Zu dieser Zeit lief auf Ebay gerade eine Auktion um einen China Clone des berühmten Naim Nap 250 ab. Ich gab ein Gebot von 250 Euro ab und wartete erstmal, war ja noch ein Tag bis zum Ende der Auktion. Zwischenzeitlich gab ich meinem NAD noch eine Chance indem ich seinen Ruhestrom einstellte. Eine Überprüfung ergab einen komplett aus dem Ruder gelaufenen Ruhestrom. Es lag am Emitterwiderstand ein Spannungsabfall von 20mV an, was in etwa 40mA Ruhestrom ergibt, zum Vergleich hatte die rechte Seite 5mV (10mA) was in etwa der Norm entspricht. Hier mal das Bild der Einstellung. Der Pfeil zeigt auf das Bias Poti, an dem der Ruhestrom eingestellt wird. Die Klemmen sind am Emitterwiderstand (Messpunkt Spannungsabfall)


                                                     Ruhestromeinstellung NAD C270

Nach der OP lief der NAD wieder einwandfrei und blieb auch links echt cool. Am nächten Tag stellte ich fest, dass das erfolgreiche Gebot der Auktion 245,55 Euro war, ich hatte also einen Naim Clone ersteigert. Als die Naim Kopie gut verpackt ankam, probierte ich ihn gleich aus. Die gute Verarbeitung fiel mir sofort auf, ein richtig dickes Vollalu-Gehäuse, überdimensionierte vergoldete Lautsprecher Klemmen und solide, ebenfalls vergoldete Cinch-Buchsen - Nichts, aber auch garnichts wirkte billig! Klanglich dann, war er zwar nicht wirklich schlecht, aber er hörte sich ein wenig "blutleer" und 2 Dimensional an, also unterzog ich ihn ebenfalls einer Ruhestromeinstellung. Dieser Abgleich war zwingend nötig, da der Ruhestromindikator (Spannungsabfall am Emitter-Widerstand) gerade mal 0,8mV betrug, was einem katastrophal niedrigen Ruhestrom von etwa 1,6 mA entsprach. Nach erfolgter Einstellung zwang mich mein innerer "Monk" alles nochmal mit meinem Hand Oszilloskop zu überprüfen...dabei schlug Murphys Law erbarmungslos zu! Bei der letzten Messung rutschte ich mit der Messpitze ab und verursachte einen Schluß mit dem Widerstand neben dem Kühlblech vom BD 139, direkt beim Emitterwiderstand. Die Linke Endstufe löste sich daraufhin in Rauch auf! Ich hatte meinen nagelneuen Naim-Clone gekillt!


                                     Grottenschlechter Ruhestrom beim NAIM NAP 250 Clone

                                               Die roten Pfeile markiren die Einstellpotis

 


                                                Hier den Ruhestrom auf etwa 8mA eingestellt


                                                 Und hier der Naim kurz nach dem Desaster

Die erste Analyse des Fehlers bestätigte meine Vermutung - Beide MJ21196 (YUXINYUAN) Transistoren der linken Endstufe hatten einen fetten Kurzschluss und auch die Vorstufen BD 139 und BD 140 schalteten nicht mehr, zusätzlich waren die Emmiterwiderstände durchgebrannt. Daraufhin bestellte ich alle diese Teile nach, allerdings von den namenhaften Herstellern ON-Semiconductors und ST Electronics, natürlich für beide Endstufen, da ich keine unterschiedlichen Bauteile für den rechten und linken Kanal wollte. Für alle E-Teile zusammen musste ich etwa 40 Euro ausgebeben.

In der Zeit, in der ich auf die Teile wartete, hatte mein bester Arbeitskollege, da er von meinem NAD/Naim "Unglück" hörte, zwei Ice Power Monoblöcke mit zur Arbeit gebracht. Das Ziel war ein Test der Monos nach Feierabend gegen den NAD und eventuell auch als Ersatz wenn der Naim zu schlecht klingen sollte. Als wir dann die Ice Power Blöcke in meiner Kette testeten, war kein großartiger Unterschied zwischen den beiden Kontrahenten auszumachen, ich hatte allerdigs das Gefühl das die Ice Powers im Hochtonbereich etwas feiner zeichneten und so lies ich sie vorerst in der Kette als Spielpartner meiner T+A A 1500 Endstufe (Bass) - welche bis heute gegen jede Konkurrenz erhaben war - gewähren. Ein zusätzlicher Vorteil war, das die Ice-Powers genau in der richtigen Lautstärke spielten und nicht mit einem Poti angepasst werden mussten, wie das vorher beim NAD C270 der Fall war. Im Prinzip hatte ich mich also schon, vor meinem inneren Auge, mit dem Ankauf der Monoblöcke für etwa 500 Euronen abgefunden....aber es sollte anders kommen.....


Bis Morgen dann zum 2. Teil.


Euer Micha



Samstag, 2. November 2024

Optisches Tuning einer Hifi-Anlage

Retro Hifi ist wieder auf dem Vormarsch, aber Verstärker mit wunderschönen VU Metern kosten richtiges Geld und bei aktuellen Geräten von Yamaha oder Vincent sind diese analogen Pegelanzeigen eher semi-hübsch. Selbst alte, aber ziemlich geile Endstufen, wie die Onkyo M-5570, erzielen mittlerweile astronomische Preise - es sind also eher schlechte Zeiten für Zappelzeigerfreunde. 

Die beste Frau von allen hatte sich unter anderem auch leid gesehen an unserem Hifi Rack und somit musste ich sowieso tätig werden, zumal auch die geplanten Abmessungen meines VU Meters die Aufnahmemöglichkeiten unseres alten Hifi-Gestelles gesprengt hätten, und so ging ich ans Werk. Zuerst habe ich mir einige fertig VUs bei Ali Express angeschaut, aber irgendwie hat mich das überhaupt nicht beeindruckt, besonders die Gehäuse waren nicht wirklich schön. Allerdings bin ich dort bei den Drehspulenmessinstrumenten fündig geworden, wirklich geile Anzeigen, die den alten Denon und Dual Displays nachempfunden waren. Riesen groß und wirklich hübsch! Die Beleuchtung dieser Ali Displays ist aber ziemlich dunkel...dieses Problem löste ich dann später - hier erstmal die nackten Anzeigen. Kostenpunkt der 2 Instrumente plus Treiber-Platine war 40 Euro:

 


Kurze Zeit später hat mich ein Gehäuse bei Ebay vollkommen geflasht, okay 109 Euro sind kein Pappenstiel, aber 5 mm dickes, edel gebürstetes schwazes Aluminium von Doug-Audio...das hat mich schon abgeholt! Die Verarbeitung war top, das Gehäuse wog allein 4,7 Kg. Alles schön und gut aber in 5 mm dickes Alu müssen diese Riesen-Displays von 13,7 cm x 9,5 cm auch erstmal eingepasst werden. Und hier kam Markus ins Spiel, unsere Zerspanungsfachkraft. Ich bin auf der Arbeit gut vernetzt, was nicht zuletzt daran liegt, das hier die produktiven Teile der Belegschaft (im Gegensatz zur Führung) wie Pech und Schwefel zusammen halten. Die Löcher für Anschlüsse und Einschalter hab ich noch selbst hinbekommen, die Displayöffnungen hingegen lagen allein in Markus Händen...was dieser auch großartig hinbekommen hat! Danke nochmals dafür! Siehe Bilder unten:

 



Weiterhin brauchte ich noch ein 12 V Netzteil für die Betriebsspannung, welches ich auch bei Ali Express für schmale 8 Euro bekam. Ich wollte halt mal, allein aus Kostengründen, ein Schaltnetzteil ausprobieren welches ich durch einen original Siemens Netzfilter (von Ebay) etwas "entstreut" habe. Das Ergebnis sind schnurglatte 12V bei 1,6 A Leistung (ergo 20W) kein sirren oder piepen war  später zu vernehmen, ich war also sehr positiv überrascht von einem Netzteil welches, zusammen mit Netzfilter nur mit 16 Euro zu Buche schlug. Jetzt galt es noch das "Problem des Signals" welches ich abzunehmen gedachte zu lösen. Da meine Frau immer wieder bemängelt "ich sollte weniger Einzelgeräte im Umfeld meiner Anlage haben" integrierte ich meinen Selbstbau-Übertrager (600:2400) in das neue VU Meter, welches dann damit auch zu einem kleinen Zusatz-Vorverstärker wurde. Somit war klar, dass das neue Anzeigeinstrument das Ausgangssignal meines T+A Vorverstärkers durchschleifen würde. So weit so gut, allerdings ist die Anzeigemöglichkeit dann nicht fest, sondern vom VV Signal und dessen Lautstärke abhängig -  Je lauter das Signal desto mehr Ausschlag also. Aber ich denke damit kann ich leben...wäre ja auch bei nem CV 1462 von Dual so ;o) 




An diesem Bild oben sieht man übrigens den Unterschied: Rechts Originalbeleuchtung - links Sebson

Jetzt noch flux alles zusammengebaut und verdrahtet (Netzschalter und Cinchbuchsen von Ali und Ebay zusammen 15 Euronen) sowie die Cinchleitungen von Dynavox (10,89 bei Ebay). Dazu noch selbstklebende Platinenhalter und Blankoplatinen für 5 Euro bei Ebay und fertig wäre eigentlich ein schönes Retro VU Meter...wenn da nicht die beschissene Beleuchtung der Anzeigen wäre! 

Ich hatte ja "Gott sei Dank" zwischenzeitlich ein sehr schönes Hifi-Möbelstück von "Schroers und Schroers" (Deltastatic Neupreis 1699,- Euro) für günstige 300,- aus Oberhausen abgeholt (Ebay). Dieses Prunkstück verfügt in der Regel über eine optionale Beleuchtung welche 299,- extra Euro kostet, dieser Beleuchtungspreis ist allerdings vollkommen inakzeptabel, deshalb bezog ich von Amazon ein Zweierpack Lichtclips (4 Clips eine VPE) der Firma Sebson für zusammen etwa 40 Euro. (Darin enthalten waren auch Netzteile und Fußschalter.) Da ich genau zwei dieser 12V Lichtclips nach dem Aufbau des Racks übrig hatte, klebte ich diese mit Heißkleber hinter die VU Displays...und das Ergebnis war schlicht atemberaubend....ich war zurück in den 80ern!!!! Im Anschluß seht ihr die Fotos und Videos vom Rack und vom VU Meter...ich finde das ist echt gelungen. Entgültiger Kostenpunkt für das Retro-Anzeigeintrument waren 190 Euro (ohne Übertrager, LED Clips und Typenschild). Inklusive LED Clips 4 Stück 20 Euro wären es 210,- Euro...aber die Sebson Beleuchtung ist definitiv diesen Mehrpreis Wert!!! 

Der Übertrager ist natürlich nicht für jedermann nötig, wer aber möchte kann mittlerweile ein gutes Fertiggerät bei Ali für 45 Euro bekommen. Diese Übertrager vergrößern die Lautstärke und die Dynamik der angeschlossenen Tonquelle. Die Treiber Elektronik für die analogen Pegelmeter ist im übrigen umschaltbar (High Level - Lautsprecheranschluss oder Low Level Cinch Signal) ergo für eventuelle Umplanungen flexibel zu verwenden! Wenn Ihr interesse habt schreibt mir einfach und ich sende Euch die Links zu den Teilen.


                                  Altes Originalbild



                             Neues Mäntelchen ;o)



                                 Hier mal im dunklen


                         Hier mal im dunkeln bei der Arbeit


                    Und schlußendlich der letzte Schliff ;o)

Beste Grüße 


Euer 


Micha



Dienstag, 13. September 2022

Das Woods Lautsprecher-Update ist komplett!

Unsere massiv Eiche-Retro-Lautsprecherbox Wood, deren Holz aus dem Westerwald stammt, bekam nun endlich ihr verdientes Update. (Die Vorgeschichte findet Ihr hier - hier und hier) Die Entwicklung der neuen Weichen zog sich etwas, da unser Haus und die Renovierung unserer Küche, die Vorbereitungen gegen einen kalten Winter und unser Arbeitsleben die letzte Zeit im Vordergrund standen. Aber dennoch ist es vollbracht. Ziel des Upgrades war eine feinere „analoge“ Abstimmung zu erreichen, da die Woods an einigen Verstärkern ziemlich forsch zur Sache gingen, was der eine oder andere Feingeist als zu hart (ein Kollege nannte es damals zu digital) empfinden könnte.

Die im Zentrum der Woods stehende Monacor Weiche DN 200 war ein würdiger Platzhalter für unseren Eigenbau, allerdings war diese Weiche kein Maßanzug, sondern eher ein netter Anzug von der Stange, welcher aber von den Trennfrequenzen und den Bauteilen nicht zu 100 Prozent zum Stil der Box passte. Der Plan in der Theorie war zuerst einmal die Trennfrequenzen besser an die Chassis anzupassen….und das so hochwertig wie möglich. Die Flankensteilheit ist bewusst „nur“ bei 12 dB belassen, da zum einen die Frequenzbereiche dann sanfter in einander übergehen und zum anderen der Platz sonst knapp wird. Mundorf Bauteile brauchen nämlich extrem viel Raum und wir hätten eine 16 oder gar 18 dB Mundorf Weiche niemals in der Box unter bekommen. Jetzt schon wiegt die Weiche weit über 2 Kg. 

Bei den Trennfrequenzen sollten die Chassis besser „bedient“ werden. Stimmen sollten über den Lautsprecher wiedergegeben werden der dafür gebaut wurde, über den Mitteltöner, deshalb verschoben wir die untere Trennfrequenz von 700 Hz runter auf 500 Hz. Somit wird der Tieftöner nicht dazu missbraucht einige tiefere Stimmanteile wiederzugeben - Tieftöner neigen nämlich dazu dieses in ihren oberen Bereichen zu laut zu tun. Die obere Trennfrequenz setzten wir von 3500 auf 5000 Hz hoch um den Hochtöner zu entlasten, damit dieser sich feineren Tönen besser widmen kann. Zum Thema Entlastung trugen beim Mitteltöner MOX Widerstände bei, dabei ging es zwar primär um die Schallpegelanpassung des Mitteltöners an die Hörkurve des menschlichen Gehörs, aber natürlich hat so eine Schallpegeldämpfung auch einen Schutzaspekt. Gesagt, getan, die Umsetzung der neuen Weiche erfolgte mit Bauteilen von Mundorf. Hier ein Foto von Weiche und Schaltbild.



Nach dem die Weichen fertig waren und eingesetzt wurden, fiel mir beim ersten Probehören sofort auf das die Box weniger auf „Show“ machte - Sie war plötzlich erwachsen geworden, viel weniger aggressiv. Jedes Detail wurde zwar immer noch glasklar wiedergegeben, Stimmen oder Geigen schmiegten sich aber seidenweich ins musikalische Gesamtbild. Der Schalldruck der Box ist etwas abgesunken was ich aber als sehr angenehm empfand. Zusammenfassend ausgedrückt war der, ich nenne ihn mal „Klipschfaktor“, der Woods verschwunden – Und das ist gut so! Hier mal die Box beim Einbau der Weiche und nach der Fertigstellung.

 


Jetzt bin ich rund rum zufrieden mit den Woods und mein Kollege auch. Leider verfüge ich noch immer nicht über ein professionelles Aufzeichnungsequipment für Bild und Ton, weshalb wieder mal nur mein Handy die Aufzeichnung übernimmt, und das auch noch zig mal kompremiert, damit es überhaupt hochgeladen wird. Ich denke aber das grundsätzlich die Genauigkeit und Leichtigkeit der Woods zu erahnen sind, obwohl die Aufnahme ziemlich grottig ist – Wir sind jedenfalls begeistert und unser Projekt somit erfolgreich abgeschlossen. Die Woods MK II ist geboren.😎




Liebe Grüße



Euer Micha


Mittwoch, 16. Dezember 2020

Thorens Motor-Steuerungs Fix: TD280, TD 318, TD 320 alle Versionen

 


Hallo liebe Leser,

 jetzt mal was für unsere Hifi-Freaks. Ich hatte ein größeres Problem. Mein geliebter Thorens Plattenspieler TD 318 MK III, verweigerte über Nacht plötzlich seine Drehbewegung. Natürlich habe ich den Teller entfernt um zu sehen ob sich das Pulley (Riemenrad am Motor) überhaupt dreht oder nicht - tat es natürlich nicht, es zuckte nur kurz wenn ich den Startknopf drückte. Wenn ich dann aber versuche das sonst leichtgängige Pulley von Hand zu drehen, scheint es schwergängig. Es ist dann so als würde ich gegen den Motor arbeiten, schalte ich den Player ab, (über den Schalter) ist der Motor wieder leichtgängig. Also Plattenteller, Welle und Schalterknopf runter, sonst knallt es im Deckel, den Spieler schnell auf den Kopf gedreht und aufgeschraubt. Sehr gut hierbei ist, das die Thorens-Scharniere in beide Richtungen funktionieren – Man kann also nicht nur den Deckel, sondern auch den Boden hochklappen! Motor und Platine erst mal ausgebaut, damit man besser arbeiten kann.

Zuerst mal die Spannungen getestet 16V Wechselspannung vom Trafo sind da, auch die knapp über 20 V Gleichspannung am Elko hinter der Gleichrichtung sind vorhanden. Ist der Motor abgezogen, habe ich an den Anschlüssen des Motors etwa 10-11 mV Gleichspannung, welche sich problemlos mit dem Abschaltknopf aus- und einschalten lassen, Wechselspannung war dort mit dem Multimeter nicht zu messen, alle Bauteile sind derweil unauffällig. Schließe ich aber den Motor an und probiere das selbe nochmal, fällt mir sofort auf das die Transistoren der Steuerung (BC547) sehr warm werden. (Man erschreckt sich förmlich wenn daran kommt) Ein Tausch der kompletten Elektronik und des Motors (Gebrauchtteile) brachte keine Besserung (Danke für die Leihgabe des Motors, beziehungsweise den günstigen Verkauf der Platine durch die Mitglieder im Forum der Analogue Audio Association.

 

Also musste etwas vollkommen faul sein im Staate Thorens und so stand plötzlich die Systemfrage im Raum – andere Optionen gab es ja nicht mehr, da Motor und Platine komplett getauscht wurden.

Nach ausführlichem Studium des Schaltbildes und einiger Vergleichslisten (Jäger Handbuch und Mouser PDF Dateien), einer Oszilloskop-Leihgabe, und dank der vielen Tipps aus dem Forum kam ich zu folgender Lösung:

Die oben in der Überschrift genannten Modelle von Thorens haben einen 2‐Phasen Schrittmotor als Antrieb, dieser läuft über einen 24 poligen Motor. Der RDM57 ist nach Foreninfos so gut wie unkaputtbar, aber seine Ansteuerung bricht oft zusammen. Zwei phasenverschobene Wechselspannungen versorgen diesen Motor, verschwinden aber bei größerer Last manchmal. Der Grund hier für sind die, über die Jahrzehnte angewachsenen Reibungswiderstände von Riemen, Schrittmotorlager und Tellerlager. Das ist normal und lässt sich etwas verringern in dem man seinen Player gutes Öl zukommen lässt. Sinter Öl für den Motor und synthetisches Motoröl (z.B.: Mannol 5W40) für das Tellerlager. Ist das Problem allerdings einmal vorhanden, lässt es sich nur abstellen indem man das Elektronikdesign von Thorens gründlich überarbeitet, wie ich festgestellt habe, oder durch den Austausch des Tellerlagers, des Riemens sowie des Motors durch Neuteile – was aber aufgrund des Player-Alters sehr unrealistisch ist. Eine Überarbeitung des Motors – siehe hier – könnte auch weiterhelfen, ist aber sehr teuer. Also fixen wir weiter!

Der Fehler äußert sich folgendermaßen: Der Motor ruckelt oder läuft gar nicht an. (zuckt nur) In einigen Fällen fällt die Drehzahl auch während des Betriebes ab und lässt sich durch anschieben wieder normalisieren – auch das ziehen des Trafos hilft manchmal kurzfristig. Der Grund ist die schwache Auslegung der Thorens-Schaltung. Die Entwickler haben wohl nicht mit der erhöhten Reibung der Player in späteren Jahrzehnten gerechnet und sich beim Gleichlauf stark auf das Tellergewicht verlassen. Zusätzlich haben die gewählten Operationsverstärker sehr hohe Offsetspannungen, was in den späten Lebensjahren zur Überlastung der BC 547 Transistoren führt.  Durch meinen Elektronik-Fix wird das Drehmoment beim Motor-Start erheblich erhöht und die Schaltung langlebiger gemacht. Der Plattenteller startet sofort und dreht im Betrieb stabiler, aber nicht schneller oder langsamer!!!


An Material wird folgendes benötigt:


2 x IC - LT1079N (14pin)


1 x IC - LT1078N (8pin)


4 x 560 Ohm ¼Watt Widerstand


4 x Transistoren 2N3019


4 x Z Dioden BZX556V2 oder andere Z-Dioden in 6,2V 500mW

Die Abeitszeit beträgt etwa 1 Stunde wenn die ICs nicht gesockelt sind.

An der Schaltung selbst wird nichts verändert, da das Prinzip unangetastet bleibt, nur folgende Teile werden gegen die oben genannten Bauteile 1:1 ersetzt. Dazu werde ich im Schaltbild bzw. auf der Platine die Teile markieren, welche zu tauschen sind. Es handelt sich um die 4 Endstufentransistoren BC 547 und deren 4 Widerstände (1KOhm), die Operationsverstärker ICs LM 324 (2x14pin) und LF 353 (1x8pin) und die Z-Dioden 2x4,3V und 2x4,7V. Wenn ihr schon mal dabei seid könnt ihr auch die Elkos auf der Platine wechseln, da diese schnell austrocknen. Nach dem Umbau braucht Ihr nichts weiter einzustellen. Einfach Stecker- oder Upgradenetzteil rein und los geht es.


 

Die Änderung bewirkt, das der Sinusgenerator, statt 3,2 Veff (8,2 VSS) jetzt 5Veff (knapp 14V SS) bei gleicher Frequenz ausgibt und der Teller besser anläuft sowie im Abspielbetrieb ruhiger läuft. Die gleichbleibende Frequenz von 26 Hz garantiert die identische Motordrehzahl. Die Geschwindigkeit nach dem Upgrade bleibt also die Gleiche. Es steht dem Motor durch die erhöhte Amplitude einfach nur mehr Energie zur Überwindung der Reibungswiderstände zur Verfügung. Zusätzlich bringt der Switch auf die anderen OP Verstärker eine bessere Nullpunktfehler-Kompensation (Offsetspannungs-Minimierung) mit sich, was eine erneute Überlastung der Transistoren in der Zukunft verhindern sollte. Die Schrittmotorspannungen brechen jetzt nicht mehr bei kleinen Lastschwankungen zusammen oder schwanken! Beim bürsten der Platten könnt ihr das bereits merken. Der Anlaufvorgang dauert aber immer noch ca. 8 Sec. - was zwar etwas lange ist, aber wohl bei diesen Playern durchaus normal. Diese verkürzt sich nur wenn ein neuer Riemen installiert wird! Unten seht Ihr die fertige Platine....

 


Klanglich positiv wirkt sich diese höhere Laufruhe besonders bei Klaviersonaten, Flötenspiel oder Gitarrensolos aus. Alle Teile zusammen kosten etwas über 30 Euro bei Ebay, wobei der Löwenanteil von 24 Euro allein auf die ICs von Elektronik Kessler (Ebay-Händler) entfällt. Gelöst werden somit alle altersbedingten Anlaufstörungen der aufgeführten Thorens-Plattenspieler mit Synchronmotor zusätzlich wird das Laufwerk klanglich enorm aufgewertet.


Liebe Grüße und viel Erfolg


Euer Micha


P.S.:Übrigens schreibe ich diesen Fix um anderen zu helfen, weil dieser Fehler im Netz sehr häufig ohne Lösung auftaucht. Ein ähnlicher Fehler allerdings wurde schon einmal mit dem Tausch des Umdrehungsschalters behoben, der hatte nämlich Übergangswiderstände. Also zuerst bei Unklarheit den Schalter tauschen, ist leichter und billiger – Kostenpunkt 6,50 inkl. Versand bei Ebay. (z.B.: Lorlin CK 1052 - 3 Positionen, 4 Pole – insgesamt 12 Pinne, 6mm Rundachse Printeinbau, neuer Knebel wird hierbei benötigt)


P.P.S.: Je nach Modell und Version können die Teile auch schon mal an anderer Stelle sitzen. Aber da die vier Z-Dioden (2x4,3V und 2x4,7V sowie die 4x1 Kohm) Widerstände die Einzigen ihrer Art in dieser Schaltung sind, kann man sie eigentlich gut lokalisieren.