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Sonntag, 2. Januar 2022

Jedes Verbot schafft Rebellen – Wenn schon eine einfache Rakete zum Fanal des Widerstandes wird!

 


Ich fand es schon ziemlich witzig wie in Berlin bei den Berichterstattungen zum Jahreswechsel plötzlich überall geböllert wurde. Auch wenn man die Bildausschnitte oft sehr klein hielt, sodass nur die Sichtsperren der digitalen Fernsehveranstaltung (diese erinnerten übrigens irgendwie an die Mauer) zu sehen waren, lies sich die Tatsache nur wenig verschleiern, dass das ziemlich verbotsunwillige berliner Fußvolk doch irgendwie die Zündschnur gefunden hatte. Auch bei uns war es so! Überraschend viele Häuslebesitzer brannten auf Ihren Grundstücken fast eine Stunde lang Ihre Feuerwerke ab – Wir waren also keine Ausnahme! Während vom Nachbarn ein Chorgesang hinüber schallte „Wir lassen uns das Feiern nicht verbieten“ beschränkte ich mich auf den Ausruf vom Film „Network“ (folgt dem Link): „Ihr könnt mich alle am Arsch lecken ich lass mir das nicht länger gefallen!“….was mit johlenden „Fick Dich“ Rufen meiner Mitbewohner bei den aufsteigenden „Raketen“ quittiert wurde. (unten im Video)


Silvester war bis zu diesem Jahreswechsel einfach nur eine Feier, doch jetzt ist es zur Machtprobe zwischen den „Rebellen“ und dem „Imperium“ hochstilisiert worden. Das Imperium fordert Ruhe und sieht in jeder Rakete ein Angriff auf die „Demokratie“ und die „gesellschaftliche Ordnung“, die Rebellen hingegen feiern in jeder Rakete ein Leuchtfeuer der Freiheit. Trotz des Feuerwerk-Verkaufsverbotes ist es der staatlichen und kommunalen Verwaltung anscheinend nicht gelungen die Bürger zu Silvester vollkommen ruhig zu stellen bzw. mundtot zu machen, zumal der noch in Teilen funktionierende Rechtsstaat den Bürgern ja nicht verbieten kann auf Ihren eigenen Grundstücken zertifiziertes F2 Feuerwerk abzubrennen. Selbst Schuld, wenn der Himmel dann durch eben jene angestrebte Verbotskultur plötzlich zum Demonstrationshintergrund wird und die Widerstandsnester merken das sie nicht allein sind. Dumm gelaufen liebes Imperium.




Ein frohes neues Jahr wünscht der Micha

 

Sonntag, 17. August 2014

Der letzte Weltenerklärer ging von Bord...




Peter Scholl-Latour wurde 1924 als Sohn von Otto Scholl-Latour und seiner französischen Mutter (seltsam das seine Mutter nirgendwo namentlich Erwähnung findet) in Bochum geboren. Schon früh lernte er die Auswirkungen von Politik auf sein persönliches Leben kennen. Seine Mutter entging nur knapp der Verfolgung durch die Nazis und im Jahre 1940 musste er das Schweizer Jesuitenkolleg verlassen weil Geldüberweisungen in die Schweiz vom NS Regime verboten wurden. Peter Scholl-Latour beendete sein Abitur dann notgedrungen auf dem Wilhelmsgymnasium in Kassel. Noch während des 2. Weltkrieges versuchte Scholl-Latour sich gegen das NS Regime zu wenden, in dem er Freiwilliger in der französischen Armee werden wollte, dabei wurde er von der Gestapo verhaftet. Auch wenn er die Abgründe der Gestapo hierbei erfahren hat, so wollte er doch nie den Bonus eines Widerstandskämpfers haben, wie er sagte. Andere Möchtegern-Widerständler würden dieses Thema schon genug beanspruchen, so Scholl-Latour weiter.

Nach dem Krieg, während seines Studiums, arbeitete er als Reise-Journalist für deutsche und französische Zeitungen, bereits zu dieser Zeit bereiste Scholl-Latour Amerika, Afrika, den Vorderen Orient sowie große Teile Süd- Ost Asiens. Er studierte an der Uni Mainz und der Pariser Sorbonne Politikwissenschaften und Philologie. Später schloss er noch ein Studium in Arabistik und Islamkunde an der Beiruter Saint Joseph Universität an.

Mitte der 50er Jahre arbeitete Peter Scholl-Latour für die saarländische Regierung bevor er dann endgültig mit Haut und Haaren dem Journalismus verfiel. Afrika Korrespondent, Gründer des Pariser ARD Studios, Chefkorrespondent des ZDF, WDR Fernsehdirektor - die Liste seiner großen Posten in den deutschen öffentlich rechtlichen Medien war beeindruckend. Trotzdem ließ er sich nie festbinden. Er besuchte stets die Länder über die er berichtete! In allen Krisengebieten der Welt war er zu Hause, bis er sogar in Vietnam vom Vietkong entführt wurde.

Scholl-Latour bemühte sich immer beide Seiten der Konfliktparteien zu hören und konzentrierte sich stets auf eine analytische und sachliche Berichterstattung ohne hetzerische Untertöne. Sein Credo war es mit den Menschen Vorort zu reden um die großen Zusammenhänge verstehen zu können. Interne Begebenheiten und gewachsene Kulturen zu verstehen um dadurch die Gründe der globalen Krisen zu entschlüsseln, das war seine größte Stärke. Diese verständnisvolle Sicht auf die Welt und die Berichterstattung darüber prägten maßgeblich die differenzierte Meinung des Nachkriegs-Deutschlands über die Geschehnisse in der Welt.

Peter Scholl-Latour erwarb sich zurecht den "Titel" Weltenerklärer. Niemand in den Medien und in der Politik konnte und durfte seine Meinung ignorieren. Er war einfach ein Mann von Welt, ein Gentlemen mit deutschem und französischen Pass - Einer der sich vom Grenzgänger über den Weltenbummer bis hin zum heimlichen Vorbild aller Journalisten entwickelte. Die meisten Korrespondenten und Journalisten ziehen es bis heute vor, eingebettet aus der jeweiligen Regierungsstruktur zu berichten - sicher und luxuriös in 5 Sterne-Hotels ein gebucht - Scholl-Latour ging dahin wo es physisch weh tat Journalist zu sein. Er schlief in Zelten und Schlafsäcken mitten zwischen den jeweiligen Fronten und meinte einmal das seine militärischen Fähigkeiten ihm oft das Leben gerettet hätten. Er war eine moralische- und eine politische Medieninstanz der man sich einfach nicht entziehen konnte.

Nach seiner Medien-Karriere brillierte Scholl-Latour als Buchautor und war Gast in zahlreichen Talkshows. Seine vielen Sachbücher, in denen er historische Entwicklungsstränge mit seinen journalistischen Erlebnissen verknüpfte, brachten ihm auch unangebrachte Kritik und den Vorwurf der Vereinfachung ein - wahrscheinlich weil er sachlich kompetent, scheinbar verschiedene, unbequeme Fakten miteinander verband. Auch in besagten Talkshows überfuhr er verbal manchen "Dummschwätzer" mit sehr harten Argumenten und machte sich so nicht immer Freunde - Was nebenbei erwähnt auch nicht sein Ziel war! Er war unbequem doch stets korrekt und kompetent in seinen Aussagen. Scholl-Latour haderte mit zunehmenden Jahren auch mit den Massenmedien, welche sich seiner Ansicht nach zunehmend in Richtung Einheitsbrei verschlechterten - unvergessen blieb für mich auch deshalb sein folgender Ausspruch:

"Wenn Sie sich einmal anschauen, wie einseitig die hiesigen Medien, von TAZ bis Welt, über die Ereignisse in der Ukraine berichten, dann kann man wirklich von einer Desinformation im großen Stil berichten, flankiert von den technischen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters, dann kann man nur feststellen, die Globalisierung hat in der Medienwelt zu einer betrüblichen Provinzialisierung geführt."

Peter Scholl-Latour war bis zuletzt privat politisch aktiv. Der unbedingte Wille das Geschehene selbst zu untersuchen - abseits der journalistisch ausgetretenen Pfade -  brachte Scholl-Latour noch im Jahre 2011 dazu den syrischen Präsidenten Assad zu besuchen. Nach einem Interview mit Assad sagte Scholl-Latour darüber, dass er sich zwar keinerlei neue Informationen über die Sachlage verschaffen konnte, allerdings habe er sich menschlich ein gutes Bild über den Zustand Baschar al-Assads machen können. So haben wir ihn kennen und schätzen gelernt - immer offen und neugierig, jede Information aufnehmend! Peter Scholl-Latour - eine Stütze der Demokratie wie ich finde, starb gestern im Alter von 90 Jahren nach längerer Krankheit. Mein tief empfundenes Beileid gilt seinen Angehörigen und Freunden. Mit Peter Scholl-Latour ging einer der letzten Menschen von Bord der die Welt und ihre Menschen wirklich verstanden hatte...

Liebe Grüße

Euer Micha

Quellen:



Samstag, 25. Januar 2014

Inquisitions-Talk oder "nur" ein haarsträubender Umgangsstil?!



Bildquelle: Taz



Am vorletzten Donnerstag bin ich nach der Arbeit komplett geschafft eingeschlafen, aber was für mich untypisch war, es geschah diesmal vor dem laufenden Fernsehgerät. Irgendwann schlich sich dann ein alptraumähnlicher Zustand ein. Irgendjemand bedrängte mich mit Fragen, Fragen dessen Absicht es war, mich zu unbedachten Äußerungen zu verleiten. Ich hatte das Gefühl das er mich in Rage bringen wollte um mich dann in eine ideologische Schublade zu verfrachten. Wutschnaubend wachte ich auf und realisierte das dies grade in der Fernsehsendung "Markus Lanz" geschah - nur eben nicht mit mir, sondern mit Sahra Wagenknecht (Politikerin der Linken).

Echt mal jetzt, sowas kann man sich doch nicht antun - ich schaltete den Fernseher aus und wendete mich weiterhin meinem dringend benötigten Kopfkissen zu. Am nächsten Tag dachte ich bei der Arbeit ein paarmal über diese Situation nach und beschloss mir die Sendung irgend wann mal näher anzuschauen - dies geschah dann gestern.
Mittlerweile hat diese Lanz-Sendung wohl einige Wellen geschlagen und nach dem ich Sie mir angeschaut habe muss ich sagen - zurecht!

Wenn sich etwas derart in meine Träume schleicht, muss es kommentiert werden...

Das  Verhalten von Lanz war absolut unterirdisch. Ständig stellte er Frau Wagenknecht provokante und rhetorische Fragen, bombardierte sie mit Aussagen und Programmen aus dem vermeintlich linken Lager. Sahra Wagenknecht hingegen versuchte besonnen, kompetent und korrekt auf seine Fragen zu antworten, wurde aber ständig von Lanz abgewürgt und ununterbrochen mit völlig neuen Attacken "beglückt". Er unterstellte während seines Zwischenfragemarathons (ganz nebenbei) der kleinen Opposition "Minderwertigkeitskomplexe" und machte sich über die Körpergröße von Gregor Gysi lustig. Außerdem ließ er keine Möglichkeit aus die AfD als Rechtspopulisten zu verunglimpfen.

Sein Vorgehen war tendenziös und manipulativ, und als die Zuschauerreaktionen trotz all seiner Mühen in Richtung Wagenknecht tendierten (ganz einfach weil ihre Argumente besser waren) bekam auch das Publikum die abwertende Art vom guten Markus zu spüren, indem er kritische Bemerkungen vom Stapel lies, weil die Zuschauer Frau Wagenknecht mit Beifall bedacht hatten. Na und wenn Lanz mal nicht weiter kam, sprang ihm der "Stern-Journalist" Hans Ulrich Jörgens bei - und das in einer sehr persönlichen und aufbrausenden Art. Man hätte beinahe denken können das Jörgens ein abgeblitzter Ex von Wagenknecht gewesen ist...Lanz ermutigte Jörgens noch - sich immer mehr in "Wut" zu reden. Moritz Bleibtreu und ein eingeladener Lehrer konnten trotz sympathischer Persönlichkeit den verunglückten Talk nicht mehr retten, dazu wurde ihnen auch viel zu wenig Redezeit gelassen...

Ich will hier wahrlich kein Lanz-Bashing betreiben, (dafür ist der Mann einfach nicht wichtig genug) es geht mir nur um diese inquisitorische  Diskussionsart die mittlerweile fast die gesamte Medienwelt durchzieht. Gegner werden einfach niedergeschrien, frei nach dem Motto: "Wer nicht für mich ist, ist wider mich." Fast schon mit religiösem Eifer werden Andersdenkende, im deutschen Fernsehen diffamiert und lächerlich gemacht. Deutsche Talkshows waren einst nicht auf einem derart niedrigen Niveau. Zur Zeit bewegt sich der Anspruchslevel der Polit-Talkmaster in der gleichen Liga mit einer Diskussion bei den "Big Brother Zombies" oder auf dem Niveau eines "X-Diaries" Zickenkrieges!
Ich werde wohl weiterhin den Mainstream meiden, aus gutem Grund, wie ich meine - aber seht selbst:

Liebe Grüße

Euer Micha


Sonntag, 24. November 2013

Erinnerung an einen der Besten...



Vor vier Tagen starb ein Mensch der mir oft geholfen hat über Dinge zu lachen, obwohl viele Sachverhalte über die er sprach, einen eigentlich in tiefe Verzweiflung hätten stürzen müssen. Er half nicht nur mir, sondern Millionen von Menschen mit einer gesunden Grundintelligenz das Leben etwas leichter zu nehmen, auch - oder erst recht, wenn man an ihm zu verzweifeln drohte. Er liebte nach eigener Aussage verrückte und unbequeme Menschen, denn diese sind doch eigentlich "die Normalen" -  das Heer der oberflächlichen Nachplapperer war ihm ein Gräuel. So spielte er sich - in seiner unnachahmlichen Art - in die Herzen und Köpfe der Menschen und lehrte mit seiner spitzen Zunge seine Gegner das Fürchten. Seine große Bekanntheit erlangte er mit der TV Sendung "Scheibenwischer" und der "Münchner Lach- und Schießgesellschaft", dessen Mitbegründer er war. Mit ihm ging eine moralische Instanz von der kleinen Bühne des Kabaretts und der großen Bühne des Lebens.

Die Rede ist von Dieter Hildebrandt, er starb am 20.11 diesen Jahres an Krebs. Mein aufrichtiges Beileid geht an seine Familie, wie an seine Freunde und Kollegen. Morgen wird er in München auf dem neuen Südfriedhof beigesetzt. Gerne hätte ich ihn nochmal live gesehen, aber das ist mir leider nicht mehr vergönnt gewesen. Bis zuletzt war der 86 jährige noch aktiv und schmiedete Pläne, seine Auftritte gingen ihm über alles . Einen seiner letzten Auftritte im Juni diesen Jahres möchte ich Euch nicht vorenthalten, besonders nicht den Teil ab Minute 10:00 :  "wenn Herbert Wehner noch leben würde - seine Rede vor dem heutigen Bundestag"...unvorstellbar geil - der Dieter eben!!! :o)

Hier nun eine Information zum Video von der Seite "Der Hintergrund":

"Dieter Hildebrandt und vier seiner besten Kollegen an einem Abend im Juni 2013 anlässlich einer Benefizgala der beiden gemeinnützigen Initiativen "Grünhelme" (Christel und Rupert Neudeck) und "Afghanischer Frauenverein" (Roger Willemsen). Exklusiv bei stoersender.tv - dort kann man auch Teil 2 des Programms aus dem Münchner Circus Krone als Video sehen."


Mittwoch, 15. Mai 2013

Ein bodenständiges Kunstwerk im All



                                          Bildquelle: Wikipedia

In Zeiten der Unterordnung unter den  Finanzwahn und der auch deshalb schwindenden Mittel für die großen Errungenschaften der Menschheit, erinnert ein kleines Musikvideo daran, was uns vorantreiben sollte. Nicht die Gier nach immer mehr Reichtum, sondern der Wunsch uns weiterzuentwickeln, die Menschheit  nach vorn zu bringen und unsere Fähigkeiten zu kultivieren. 


Da die USA im Schwitzkasten des militärisch-industriellen Komplexes unendliche Summen für Kriege und eine falsche Sicherheit ausgegeben hat, bleibt ihr nichts mehr für die zivile Raumfahrt übrig. Keine Space-Shuttle mehr und kein anderes Projekt welches in ihre Fußstapfen treten könnte, dabei ist ein neues Transportmittel in den Orbit dringend notwendig! Zur Zeit fliegen die Astronauten mit einem 45 Jahre alten russischen Sojus System zur internationalen Raumstation ISS, fast schon beschämend das Ganze.


Blitzartig wird die zivile Raumfahrt nun plötzlich privaten Konzernen überlassen. Europa und die USA haben kein Geld mehr und wollen den einzig relevanten Außenposten der Menschheit im All eigentlich loswerden, da kommt plötzlich ein kanadischer Astronaut daher und dreht ein Musikvideo.


Chris Hadfield ist kanadischer Testpilot der sich seit seinem neunten Lebensjahr nichts sehnlicher wünscht als Astronaut zu werden und genau das wurde er auch! Inspiriert durch seine Erlebnisse an Board der ISS und seiner Bestimmung folgend, drehte er ein Video welches in drei Tagen über 10 Millionen Menschen ansahen...vollkommen zurecht wie ich meine!

Es handelt sich um eine Coverversion von David Bowies  “Space Oddity” welches er auf der ISS drehte - ganz, ganz großes Kino!!! Mir blieb die Spucke weg und um es wie Daniel Neun von Radio Utopie zu sagen:  "Endlich normale Menschen im Weltraum!" In Zeiten von" Psy" und "Pussi Riot" endlich mal was wirklich Großes. Danke Herr Hadfield für dieses bodenständige Kunstwerk im All, dass uns erinnert was wir imstande sind zu leisten!!!



 Liebe Grüße vom Micha!

Sonntag, 18. November 2012

Krieg oder Frieden? - Was für eine Frage?!



Es ist mal wieder soweit, der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern entbrennt erneut. Israels Militär hat an der Grenze zum Gazastreifen durch palästinensischen Panzerabwehrbeschuss ein gepanzertes Fahrzeug verloren, was nach Aussage von palästinensischer Seite auf die vorherige  Tötung eines spielenden Palästinenserjungen, durch israelische Soldaten zurückzuführen sei.  Seit diesem Vorfall  vom letzen Sonntag beschießen sich beide Seiten mal wieder mit Raketen und Granaten. Wer hier angefangen hat spielt (obwohl sich beide Seiten gegenseitig die Schuld zuschieben) eigentlich keine Rolle. Fakt ist, das es  solange keinen Frieden in der Region geben wird, bis endlich ein Friedensvertrag zwischen Israel und den Palästinensern,  inkl. der Gründung eines palästinensischen Staates, ausgehandelt worden ist.  Keiner der unzähligen, Scharmützel, Anschläge, Kommandoaktionen oder Kriege hat es in Jahrzehnten geschafft für einen dauerhaften Frieden in der Region zu sorgen, im Gegenteil. 

Verhandlungen über solch einen Frieden mit der Gründung eines palästinensischen Staates scheiterten oft  an der Engstirnigkeit der israelischen Führungen oder an Veto sowie Ignoranz der jeweiligen US-Regierung. So war es nur eine Frage der Zeit bis die Extremisten auf beiden Seiten erneut zu den Waffen greifen würden, mit der bekannten fatalen "Logik" von Aktion und Reaktion.

Für die israelische Führung allerdings kommt so ein Minikrieg gerade Recht. Kurz vor den Wahlen kann die hochgerüstete Armee Israels doch mal wieder beweisen wo der Hammer hängt. Und ganz nebenbei konnte man ohne jeden öffentlichen Aufschrei den palästinensischen Oberbefehlshaber Ahmad Ja’abari um die sprichwörtliche Ecke bringen -  in dem eine israelische Rakete seinem Dienstwagen einen Besuch abstattete .  Zusätzlich kann man in den israelischen Führungsetagen den Frust über das verweigerte "Grüne Licht" der USA für einen Frontalangriff auf den Iran einfach an den Palästinensern auslassen. Scheiße rollt halt immer nach unten!  So rücken die innenpolitischen Probleme und Proteste der israelischen Bürger  in den Hintergrund...leider!!!

Aber es geht auch anders...wie der diese Woche 70 gewordene Stardirigent, jüdischen Glaubens, Daniel Barenboim seit Jahrzehnten unter Beweis stellt. Frieden zwischen Juden, Muslimen und Christen ist möglich, ja sogar eine freundschaftliche und konstruktive Zusammenarbeit...mit Musik!!!   Daniel  Barenboim steht schon seit  1950 auf der Bühne der klassischen Musik. Zusammen mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said gründete er 1999 das West-Eastern Divan Orchestra. Barenboim engagiert sich für eine Annäherung der verfeindeten Volksgruppen im Nahostkonflikt. Das Orchester setzt sich aus jungen Musikern aus Israel, den palästinensischen Autonomiegebieten, Libanon, Ägypten, Syrien, Jordanien und Spanien zusammen. Im August 2005 spielte das Orchester ein vielbeachtetes Konzert in Ramallah, das in vielen Ländern live im Fernsehen übertragen wurde. Doch auch als weltberühmter jüdischer Musiker scheint man Israels Mächtigen nicht die Meinung sagen zu dürfen:  

Am 10. Mai 2004 wurde Daniel Barenboim in der Knesset, dem israelischen Parlament, der Wolf-Preis für freundschaftliche Beziehungen unter den Völkern verliehen. In seiner Dankesrede zitierte Barenboim aus der israelischen Verfassung u.a. folgende Passage. „Der Staat Israel ... wird all seinen Bürgern ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen.“ Anschließend sagte er: „In tiefer Sorge frage ich heute, ob die Besetzung und Kontrolle eines anderen Volkes mit Israels Unabhängigkeitserklärung in Einklang gebracht werden kann. Wie steht es um die Unabhängigkeit eines Volkes, wenn der Preis dafür ein Schlag gegen die fundamentalen Rechte eines anderen Volkes ist? ...“ Daraufhin kam es zu einem Eklat in dem sogar erwogen wurde Barenboim zur "Persona non grata" (unerwünschte Person)  zu erklären. Ungeachtet dessen, stiftete Barenboim das Preisgeld von 50.000 Dollar für die musikalische Erziehung von israelischen und palästinensischen Kindern. In einem Interview anlässlich seines aktuell  70 Geburtstages wurde er gefragt, "Woher er die Kraft nehme sich derart zu engagieren und sich gegen den pro-israelischen Mainstream zu stellen?"

Er antwortete...Momente wie z.B. Diese: Nach einem Konzert fragte er ein weinendes Mädchen aus Palästina warum sie denn weine.  Die Antwort dieses Mädchens war: " Ich bin sehr glücklich, weil ich heute zum ersten mal eine Sache aus Israel gesehen habe die kein Panzer oder kein Soldat ist ." Dem ist nichts, aber auch gar nichts mehr hinzuzufügen!

Alle....wirklich alle wollen Frieden, das palästinensische- wie das israelische Volk! Nur ihre Führer scheinen Angst vor der einen richtigen Antwort ihrer Völker auf die entscheidende Frage zur Lösung des Nahostkonfliktes zu haben.  Die da lautet:  Wie könnt Ihr diesen Konflikt endgültig beenden...mit Krieg oder mit Frieden?  -  Was für eine Frage?!

Liebe Grüße

Euer 

Micha