Samstag, 19. Februar 2022

2022 - Das Jahr der Weltraumforschung - Update

Leider hat mich und meine Familie die letzten Wochen das Sars Cov 2 Virus auf die Bretter gehauen, weshalb ich noch nicht dazu gekommen bin das James Webb Teleskob am L2 Point zu begrüßen. Dieses, und ein astronomischer Ausblick, auf das noch junge Jahr 2022 soll das Hauptthema des Artikels sein.

Im vorletzten Artikel berichtete ich ausführlich über den Beginn der James Webb Mission, welche ich mit dem Titel „Start des Schmetterlings“ (siehe Artikel) überschrieb, hier möchte ich anknüpfen. Am 25.01.22 schwenkte das komplett entfaltete James Webb Teleskop mit einen kurzen Triebwerkstoß erfolgreich in den Orbit um den Lagrange-Punkt 2 ein, welcher in rund 1,5 Millionen Kilometer Entfernung zur Erde liegt. An diesem Punkt gleicht sich die Graviation von Sonne und Erde aus, was dem James Webb Teleskop eine eigene, leicht ovale Umlaufbahn ermöglicht. Das Webb kreist also um einen imaginären Punkt draußen im All (siehe Bild unten) und ist so in der Lage den ganzen Himmel, ohne störende Einflüsse von Sonne, Mond und Erde zu beobachten. Ein wichtiges Feature bildet hierbei das Hitzeschild des Webb Teleskopes, (Bild unten) damit werden die Sonnenstrahlen von der empfindlichen Infrarot-Infrastruktur der kalten Seite abgeschirmt, damit das Webb nicht geblendet wird. Auf die negativen Auswirkungen von Infrarotstrahlung bei der Astrofotografie hatte ich bereits hingewiesen, nicht zuletzt deshalb wird dieser enorme Abschirmungsaufwand betrieben. Auf der kalten, oberen Seite ist es z.Zt. -230 Grad C wogegen es auf der warmen unteren Seite bis zu +56 Grad C warm ist. 

                                 Orbit Lagrange-Punkt 2 - Bildquelle: Nasa
 
                                     Webb Hitzeschild - Bilderquelle: Nasa

Mittlerweile reicht die niedrige Temperatur aus die komplexen Einstellungen der 18 Spiegel des Teleskopes am ersten Sternenlicht des Sterns HD 84406 vorzunehmen. Man muss sich vorstellen dass jeder Spiegel 1 Bild von HD 84406 produziert, diese 18 Bilder gilt es haargenau über einander zu bringen, sodass 18 Spiegel wie ein einziger riesiger Spiegel wirken. (siehe unten) Diese hoch genaue Justierung wird zur Zeit vorgenommen und dauert bis Ende diesen Monats an. Das Webb Teleskop hat also rein funktionsmäßig, mit dem so genannten „First light“ von HD 84406, (im Sternbild Ursa Major oder Großer Bär) seinen Betrieb aufgenommen. Gratulation zum ersten eingefangenen Sternenlicht am L 2 Point! Richtig coole, wissenschaftlich wertvolle Bilder wird es wohl erst gegen Mitte des Jahres geben, wenn alle Kallibrations- und Wartungsarbeiten abgeschlossen sind. 

 


18 Spiegel müssen wie Einer sehen das ist Präzisions-Arbeit - Bildquelle: Nasa


Hier die ersten 18 unscharfen Lichtpunkte von HD 84406 - Quelle: Nasa

Das Ziel des James Webb Teleskopes ist nicht weniger, als die gesamte Menschheit auf ein neues Niveau des Wissens über die Zusammenhänge des Universums zu heben. Es wird bis kurz nach dem Urknall in der Zeit zurückblicken können, was in seiner Infrarotkonfiguration begründet liegt. Denn je länger Licht zu uns unterwegs ist, desto mehr verschiebt sich seine Frequenz in den Rotlichtbereich - und etwa 13 Milliarden Jahre altes Licht wäre dann im Infrarotbereich zu „sehen“.

Infrarotlicht durchbricht selbst dichte Nebel, was uns hilft Sterne und Planeten, sowie den Ereignishorizont von Schwarzen Löchern besser zu beobachten. Wasser, Kohlendioxid- oder Methangas in Atmosphären anderer Planeten sind ein Zeichen von extraterrestrischen Leben und lassen sich im Infrarotbereich sehr gut nachweisen. All das sind gute Gründe warum das Webb so gebaut wurde wie es jetzt am L2 Punkt seine Bahnen zieht. Unten mal ein paar Bilder der Nasa die das verdeutlichen.

Adlernebel im Infrarotbereich - Viel mehr sichtbare Sterne - Bildquelle: Hubble
 
Adlernebel im Licht Bereich - weniger Sterne - Bildquelle: Hubble

Sichtbare Atmosphärenanteile über Lichtspektrum - Bildquelle: Nasa
 

Wie schon angedeutet geschieht noch wesentlich mehr weltraumtechnisches im Jahr 2022. Europas Raumfahrer blicken nämlich gespannt auf den Erstflug des Raumschiffs Orion, welches NASA und ESA gemeinsam gebaut haben. Im Frühjahr soll dieses Raumschiff mit der neuen SLS-Großrakete der NASA starten und um den Mond herum fliegen – An Bord befinden sich Test-Dummys welche auch die Strahlenbelastung für Astronauten bei eventuellen Mondlandungen messen sollen. Satelliten sollen bei dieser Mission zusätzlich nach Wasser auf dem Mond suchen. Russland ist ebenfalls nicht untätig, so sollen künftig von Wostotschny aus Raketen des neueren Typs „Angara“ abheben. Von Russlands neuem Weltraumbahnhof soll es auch im Frühjahr ein neuen Anlauf zum Mond geben - Denn für den Mai ist der Start der Raumsonde „Luna 25“ geplant. 

Zusätzlich laufen dieses Jahr noch die "Dart-Mission" und die "Psyche-Mission" der Nasa. Bei der Dart-Mission soll getestet werden ob sich Asteroid Bennu durch Einschläge von seinem Kurs abbringen lässt. Zielsetzung ist die Erde vor anfliegenden Himmelskörpern zu retten. Bei der Psyche Mission erkundet die Nasa den gleichnamigen metallreichen Asteroiden, welcher Teil eines Planeten gewesen sein soll.

Kommen wir nun also zu den Astroereignissen in diesem Jahr. Eine totale Mondfinsternis kann am 16. Mai in den Morgenstunden von Mitteleuropa aus beobachtet werden. Noch vor Mitte der Finsternis geht der Mond jedoch unter. Eine partielle Sonnenfinsternis ist im Oktober zu sehen. Das astronomische Ereignis der teilweisen Sonnenfinsternis ist am 25. Oktober gegen zwölf Uhr in Mitteleuropa zu beobachten. Hier schiebt sich der Mond bis zu einem Drittel vor die Sonne. Weiterhin zum Ende des Jahres, nämlich im November und Dezember steht der Mars so günstig zur Erde wie lange nicht mehr - Nicht nur zur Freude der Hobbyastronomen wie ich einer bin, sondern auch für Weltraumorganisationen wie die ESA. Die Europäer wollen das gute „Marsfenster“ nämlich nutzen um einen eigenen Marsrover auf den roten Planeten zu bringen. Das europäische Gefährt soll mit neuen Instrumenten nach Leben im Marsstaub suchen. 

 

Ich war ebenfalls in diesem Jahr auf astronomischer Pirsch und konnte zum ersten mal einen interstellaren Nebel fotografieren, natürlich gibt es auch ein wunderschönen Mond und eine Übersichtsaufnahme unseres Fröndenberger Sternenhimmels zu sehen. Beginnen möchte ich mit der Übersichtsaufnahme. Ich hatte meine Canon EOS 450 D am 11 Januar gegen 23:00 auf ein einfaches Fotostativ ohne Nachführung geschraubt und den Himmel 13 Sekunden belichtet. Das Foto wurde nicht weiter bearbeitet! Gut zu sehen sind die drei hellen waagerecht angeordneten Sterne im oberen Bilddrittel – hierbei handelt es sich um den „Gürtel des Orion“ (Alnitak, Alinam und Mintaka). Knapp links darunter befinden sich vier Lichtpunkte, welche fast senkrecht leicht nach links abfallend eine Kette bilden. Der rötlich leuchtende Punkt (zweiter von unten) ist der große Orion Nebel, welcher wirklich in dieser Nacht trotz hellem Mond mit bloßem Auge zu sehen war. (Bild unten) Wegen diesem gut sichtbaren Nebel fuhr ich später noch in die Tiefen unserer Wälder um ein möglichst dunkles Bild zu bekommen, was mir dann auch gelang. 

 

Am auffälligsten war natürlich mein alter Freund Mond und so machte ich standesgemäß das erste richtige Astrofoto des Jahres von ihm. Ein wunderbar klarer Nachthimmel erlaubte dieses sehr gute Foto wie ich meine. Uhrzeit 23:30 Uhr, 11 Januar 2022 via Celestron C6N 750 mm Brennweite und TVV 3000 Planetenkamera. (siehe unten 1. Bild) Danach das Ganze nochmal mit Canon EOS 450D auf Celestron 750mm, Belichtung 1/800 (Bild 2)


 

Viel Später gegen 2:30 Uhr dann konnte ich nach Durchzug einiger Nebelbänke und dem verschwinden des Mondes im Sauerland ein richtig gutes, dunkles Foto des Orion-Nebels machen. (siehe unten) Genauer gesagt besteht das Foto aus 26 Fotos mit je fast 15 Sekunden Belichtung. Diese Fotos konnte ich dann im Stacking-Verfahren mit „Deepstar Stacker“ übereinander legen und mit Photoshop bearbeiten – ca. 4 Stunden Bearbeitungszeit. Das low Budget Equipment für diese Aufnahme bestand aus folgenden Komponenten: Canon EOS 450 D, auf Celestron C6N, Brennweite 750mm, nachgeführt auf modifizierter motorgesteuerter Skywatcher Syncscan Azimuth Montierung. Dafür ist es schon ganz gut geworden. Um noch mehr und bessere Astro-Fotos machen zu können werde ich dieses Jahr noch das Einrichtungsinstrument „Star Sense“ erwerben um wesentlich schneller Planeten und Nebel ausfindig machen zu können. 

 


Das war es erst mal über den Weltraum dieses Jahr. Beim James Webb bleibe ich natürlich am Ball für Euch und werde natürlich über spektakuläre Bilder (so sie denn kommen werden) berichten. Und gegen Ende des Jahres versuche ich mal den Mars für Euch vor die Linse zu bekommen oder einen netten Jupiter garniert mit Andromeda oder einer anderen Galaxie. Viel Gesundheit und Erfolg.


Wünscht Euch


Euer Micha

 

Update vom 20.03.2022


Das James Webb hat endlich seine 18 Spiegel focussiert und liefert nun das erste scharfe Testbild vom 2Mass Stern, welcher sich in einer Entfernung von etwa 2000 Lichtjahren von uns befindet. Die First Light Aufnahme der ersten 18 unscharfen Punkte (Bild im Artikel oben) entstand durch die, im nahen Infrarotbereich arbeitende NIRCam, vom Stern HD 84406, diese Kamera konnte nämlich schon vor Abschluss der Kühlphase eingesetzt werden und war deshalb ideal für den Focussierungsprozess. Auch wenn noch nicht alle Einmessvorgänge abgeschlossen sind hat das neue Bild von 2MASS J17554042+6551277 bereits eine exorbitant höhere Qualität! (hier nun das Bild)

                                                 Fotoquelle: NASA

Das Webb deutet seine Qualität bereits hier an, wenn man auf die Galaxien im Hintergrund achtet, die trotz der Helligkeit von 2Mass bei relativ geringer Belichtungszeit bereits zu sehen sind! Ein würdiges Testbild zum Abschluss der 5. Ausrichtungsphase. Im Mai dann wären alle anderen Instrumente einsatzbereit und kallibriert, danach werden noch kleinere Fehler in den Berechnungen gefixt. Erste wissenschaftliche Aufnahmen kämen dann ab Juni in betracht. Aber bereits das Testbild lässt erahnen was uns erwartet....eine Revolution! Herzlichste Glückwünsche zum funktionieren von James Webb!


Quellen:

NASA - James Webb Mission-Control

Futurezone - Missionen 2022

t-online - Erstes Foto vom James Webb 

RND - Sternenhimmel 2020

DLF - Weltraumhighlights 2022 

Weser Kurier - Weltweite Pläne fürs All 

HL1 - Ausrichtung des Webb Teleskopes

Kurzer Ablaufbericht unser Covid-Erkrankung!


                                  Mein erster positiver Covid Schnelltest - Bild oben

Leider hat mich und meine Familie die letzten Wochen das Sars Cov 2 Virus auf die Bretter gehauen, hier eine kleine Info zu unserem Corona Verlauf. Meine bessere Hälfte hatte das Virus aus dem Krankenhaus ihres Arbeitgebers eingeschleppt. Da wir uns recht oft selbst testen (und testen lassen müssen) hatte Heike zuerst einen positiven Schnelltest, welcher dann einen Tag später via PCR bestätigt wurde. Genauso erging es mir und dem Rest der Familie, ergo 10 Tage Quarantäne. 

Die Symptome begannen 1 Tag nach dem positiven PCR Test mit heftigen Kopfschmerzen und starkem Krankheitsgefühl, Fieber sowie Halsschmerzen (bei mir Husten). Merkwürdig war der annähernd gleiche Verlauf bei allen Angehörigen, da es bei uns von Ungeimpften bis (aus beruflichen Gründen) geboosterten Familienmitgliedern die gesamte Bandbreite an möglichen und unmöglichen Kombinationen des Impfstatus bzw. des Gesunden- Status gibt. Für ALLE 7 Angehörigen war der Spuk nach insgesamt 12 Tagen mit negativem Test und ohne merkbare Spätfolgen vorbei. Der Impfstatus spielte, zumindest bei uns, überhaupt keine Rolle bei der schwere und der Dauer der Erkrankung. 

Allerdings ist wohl noch zu bemerken, das die Abweichungen der Symptome eindeutig auf die individuellen Unterschiede der jeweiligen Vorerkrankungen jedes einzelnen zu passen schienen. Das Virus triggert also anscheinend die gesundheitlichen Schwächen der Erkrankten. Trotzdem war alles noch im Rahmen. Jedenfalls ist für mich nun die Brücke zum Totimpfstoff Valneva geschlagen, was ich als sehr positiv erachte.


Liebe Grüße


Euer Micha

Sonntag, 2. Januar 2022

Jedes Verbot schafft Rebellen – Wenn schon eine einfache Rakete zum Fanal des Widerstandes wird!

 


Ich fand es schon ziemlich witzig wie in Berlin bei den Berichterstattungen zum Jahreswechsel plötzlich überall geböllert wurde. Auch wenn man die Bildausschnitte oft sehr klein hielt, sodass nur die Sichtsperren der digitalen Fernsehveranstaltung (diese erinnerten übrigens irgendwie an die Mauer) zu sehen waren, lies sich die Tatsache nur wenig verschleiern, dass das ziemlich verbotsunwillige berliner Fußvolk doch irgendwie die Zündschnur gefunden hatte. Auch bei uns war es so! Überraschend viele Häuslebesitzer brannten auf Ihren Grundstücken fast eine Stunde lang Ihre Feuerwerke ab – Wir waren also keine Ausnahme! Während vom Nachbarn ein Chorgesang hinüber schallte „Wir lassen uns das Feiern nicht verbieten“ beschränkte ich mich auf den Ausruf vom Film „Network“ (folgt dem Link): „Ihr könnt mich alle am Arsch lecken ich lass mir das nicht länger gefallen!“….was mit johlenden „Fick Dich“ Rufen meiner Mitbewohner bei den aufsteigenden „Raketen“ quittiert wurde. (unten im Video)


Silvester war bis zu diesem Jahreswechsel einfach nur eine Feier, doch jetzt ist es zur Machtprobe zwischen den „Rebellen“ und dem „Imperium“ hochstilisiert worden. Das Imperium fordert Ruhe und sieht in jeder Rakete ein Angriff auf die „Demokratie“ und die „gesellschaftliche Ordnung“, die Rebellen hingegen feiern in jeder Rakete ein Leuchtfeuer der Freiheit. Trotz des Feuerwerk-Verkaufsverbotes ist es der staatlichen und kommunalen Verwaltung anscheinend nicht gelungen die Bürger zu Silvester vollkommen ruhig zu stellen bzw. mundtot zu machen, zumal der noch in Teilen funktionierende Rechtsstaat den Bürgern ja nicht verbieten kann auf Ihren eigenen Grundstücken zertifiziertes F2 Feuerwerk abzubrennen. Selbst Schuld, wenn der Himmel dann durch eben jene angestrebte Verbotskultur plötzlich zum Demonstrationshintergrund wird und die Widerstandsnester merken das sie nicht allein sind. Dumm gelaufen liebes Imperium.




Ein frohes neues Jahr wünscht der Micha

 

Montag, 27. Dezember 2021

Der Start des Schmetterlings - 3. Update

 


Bild: Eigene Fotomontage

Bereits 2011 sollte das James Webb Teleskop von der Erde abheben, nun ist es mit über zehnjähriger Verspätung endlich auf dem Weg seiner Bestimmung zu folgen. Am 1. Weihnachtstage 2021 startete das teuerste und ambitionierteste Weltraumprojekt seit den Apollo Missionen – Der Hubble Nachfolger James Webb! Eine Ariane 5 Rakete der europäischen ESA wuchtete das über 6,2 Tonnen schwere und über 10 Milliarden Dollar teure Teleskop, um 12:20 Uhr UTC, von Guayana aus in den Orbit. Das dieses grazile Konstrukt aus feinster Mechanik, Elektronik, Berylium-Spiegeln und dünnster Hightech-Folie die freigesetzte Energie und die G-Belastungen des Startinfernos überstanden hat grenzt an ein Wunder. Hier mal ein Foto des Starts.

 

 
Bildquelle: Nasa Livestream

Sein Ziel ist der ca. 1,5 Millionen Kilometer entfernte Lagrange Punkt 2, (Bild unten) hier gleichen sich die Schwerkräfte der Sonne und der Erde gegenseitig aus und ermöglichen somit eine mehr oder weniger konstante, der Erde folgenden Kreisbahn, welche aber immer wieder mal korrigiert werden muß. Aus diesem Grund hat das James Webb Teleskop Treibstoffreserven für etwa 10-15 Jahre an Bord, kann aber auch später noch von weiteren Missionen betankt werden. Eine Service-Reparatur, wie sie bei Hubble nötig wurde, ist allerdings aufgrund der Entfernung zur Erde eher nicht möglich.

 
Bildquelle: Wikipedia

Gleich einer Schmetterlingspuppe saß das Teleskop zusammengefaltet auf seiner Trägerrakete und trennte sich nach einem Bilderbuchstart perfekt von dieser. (siehe Foto unten) Während seiner etwa 30 tägigen Reise wird sich das James Webb dann langsam aber hoffentlich sicher auseinander falten. Bei diesem Vorgang handelt es sich um einen hoch komplexen Prozess bei dem viel schief gehen kann, deshalb sprechen Insider auch von den „30 days of horror“. In 130 Schritten müssen über 300 Mechanismen reibungslos in einander greifen. Sollte alles klappen wird das Webb, allein von der Art des Entfaltens und von seinen Farben her, der Analogie vom Schmetterling mehr als gerecht werden. Es entsteht ein in Violett und Grau schimmerndes Gebilde von der Größe eines Bolzplatzes, auf dem ein strahlend goldener 25 Quadratmeter Spiegel aus 18 Segmenten mit einem Gesamtdurchmesser von 6,5 Metern thront, solche Abmessungen sind selbst bei erdgebundenen Spiegel-Teleskopen nicht oft zu finden. Hierdurch entsteht eine enorme Bündelung von Licht welche das James Webb um ein vielfaches empfindlicher macht als das Hubble Teleskop.

Bildquelle: Nasa Livestream

Mit einer Brennweite von über 130 Metern werden durch das James Webb Dinge sichtbar von denen man mit dem Hubble-Teleskop nur träumen konnte. Dieses neuartige Teleskop kann sogar dank seiner Infrarotkonzeption durch Staubwolken blicken und Exoplaneten sowie deren Atmosphären analysieren. Der Einsatzbereich des Webbs geht sogar bis zur Beobachtung der ersten Galaxien überhaupt, direkt nach dem Urknall - Wir sprechen also nicht nur über ein besseres Teleskop, sondern über eine Revolution der Weltraumbeobachtung. Die NASA, die ESA und die CSA arbeiten seit 1996 beim "Webb" Projekt zusammen, die gesamte Entwicklung dauerte über 30 Jahre! Sollte dieses Teleskop funktionieren, hebt das die gesamte Menschheit auf ein neues Niveau des Wissens über die Zusammenhänge des Universums. Go Webb, Go!!!! Ich drücke dieser Mission ganz fest die Daumen, auf das wir Menschen unseren Horizont erweitern und endlich merken was mit ZUSAMMENARBEIT immer noch möglich ist. Einer der wenigen guten Tage für die Menschheit im Jahr 2021!!!


Guten Rutsch ins Jahr 2022


wünscht Euer Micha

 

Update 28.12.21:

Das James Webb Teleskop passiert gerade etwa die Mondbahn und hat bereits die Solarpaneele ausgeklappt. In Kürze wird damit begonnen werden den Sonnenschild zu entfalten. Dieser Schild wird verhindern das die Wärme der "heißen Seite" und die Sonnenstrahlen die empfindlichen Infrarotgeräte der "kalten Seite" beeinflussen. Da das Webb hauptsächlich im Infrarotbereich arbeitet hätte auch nur die geringste Wärme verheerende Konsequenzen für die Bildqualität, deshalb wird das Webb sogar auf seiner kalten Seite bis nahe dem absoluten Nullpunkt auf -223 Grad gekühlt. Bis diese Temperatur allerdings erreicht ist vergehen noch einige Monate, erst dann können wir auf spektakuläre Bilder hoffen.

Was Wärmestralung auf Astrofotos so anrichtet kann ich aus eigener Erfahrung in den beiden nächsten Bildern von mir zeigen. Das erste Bild ist mit der Abwärme meiner Umgebung vollkommen rotstichig geworden. Es hat Stunden der Bearbeitung benötigt die Wärmestrahlung weitgehend zu entfernen, aber selbst danach ist die Wärmestrahlung vom Dach meines Nachbarn auf Blid 2 noch gut zu erkennen.



Wenn Ihr die Mission weiter live verfolgen möchtet, folgt einfach den unteren Link:

Hier geht's zur NASA Mission Control

Update 05.01.2022:

Das Sonnenschild ist nach ein paar kleinen Schwierigkeiten jetzt vollkommen ausgefahren. Laut NASA Informationen funktionierte ein Sensor zur Überwachung des Entfaltungsvorganges zeitweise nicht, was aber den eigentlichen Vorgang nicht beeinflusste. Die Instrumente des Webb Teleskops sind nun vollkommen abgeschirmt von der Sonnen- und Erdwärmestrahlung was die Sensoren bereits gut anzeigen. Aktuell liegt die Temperatur auf der heißen Seite zwischen +12 und + 54 Grad Celsius, auf der kalten Seite sind es je nach Sensor zwischen -145 und -200 Grad Celsius. Im nachfolgenden Bild kann man gut sehen wie das Webb Schild funktioniert, die dort angegebenen Temperaturen und der Status der Entfaltung beziehen sich allerdings auf die finale Phase der Mission.

                                   Bildquelle: NASA-Livestream Screenschot

 

                                 Bildquelle: NASA-Livestream Screenschot

Das obere Bild spiegelt den momentanen Status der Mission am 05.01.22 wieder. Es fehlt noch die Entfaltung und Justierung des Sekundär- (Bündelungsspiegel an der Front) und des Primärspiegels (an den Seiten des Hauptspiegels). Mittlerweile hat das Webb fast 1.000.000 Kilometer zurückgelegt, was gut 2/3 der Wegstrecke bedeutet, allerdings hat es dabei seine Geschwindigkeit von ca. 1000 Meter Sekunde, auf etwa 500 Meter Sekunde halbiert. Diese Reduktion ist ein  gewolltes langsames "auslaufen", damit keine harten und treibstoffaufreibenden  Bremsmanöver beim Erreichen des L 2 Punktes nötig werden. Das Webb wird also immer langsamer bis zum Erreichen seines Ziels. Die nächste anstehende Aktion ist das Ausfahren des Sekundärspiegels.

Stay tuned


Euer Micha

 

Update 09.01.2022:

Der Sekundärspiegel und die beiden Seiten des Hauptspiegels haben sich problemlos in Position gebracht, nun ist es soweit, das James Webb Teleskop ist voll entfaltet! Alles hat bis jetzt fast planmäßig funktioniert und ein erstes Aufatmen ist unter den Astronomen der Welt und den Ingenieuren der NASA zu vernehmen. In den jetzt noch verbleibenden ca. 350.000 km bis zum Lagrange-Punkt werden die einzelnen Spiegel motorgesteuert zueinander feinstjustiert, auch das ist Schwerstarbeit und dauert noch etwa 11 Tage, danach wird das Webb in den Orbit des Lagrange-Punktes eingeschwenkt. Hier das voll entfaltete Webb Teleskop.

                                      Bilquelle: Nasa Stream Screenshot

Bis Später am Lagrange Point 2

Euer Micha


Quellen:

NZZ - James Webb, Astronomie in neuen Spähren

Wikipedia - James Webb

Tagesschau - Die Hoffnung von 10.000

Watson - James Webb ist unterwegs

 BR - Hubble Nachfolger gestartet

 FAZ - Der Flug des Schmetterlings

Wikipedia - Lagrange Punkte