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Sonntag, 18. März 2012

Medialer Qualitätsschwund - aber es gibt Grund zur Hoffnung



Ähnlich wie in den Print-Medien hat auch die Zahl der Boulevard-Magazine im Fernsehen deutlich zugenommen. Die ZDF-Sendung "Leute heute" mit Nina Ruge ging z.B. 1997 an den Start, seither ging es mit dieser Art von Unterhaltungsjournalismus steil nach oben, bis hin zu einem kaum noch zu überblickenden Wust derartiger Sendungen. Das interessante daran ist die dazu signifikant gegenläufige Entwicklung im hochwertigen politischen Journalismus, wie im Bereich Weltgeschehen. Weltweit kann dieser Qualitäts- und Quantitätsschwund in sämtlichen Medien beobachtet werden. Der Druck der dabei von führenden Redakteuren und der Politik ausgeübt wird ist bedrückend.

Christoph Hörstel arbeitete 14 Jahre lang für die ARD wo er es durch seine fundierten Sachkenntnisse bis zum leitenden Redakteur brachte. Er erlangte vor allem Berühmtheit durch eine Art Berichterstattung, die beide Seiten eines Konfliktes sah. Diese journalistische Einstellung wurde zum Beispiel bei seiner Berichterstattung über den Afghanistankrieg 2001 nicht zuletzt durch Kontakte zum Rebellenführer Gulbuddin Hekmatyār deutlich. Seine Tätigkeiten für die ARD stellte Hörstel allerdings bereits 1999 ein, da der Druck zu Lügen immer größer wurde, wie er sagt. Jahre lang musste er, nach eigenen Aussagen, jeden Tag mit der ARD um die Wahrheit ringen, als der Druck übermäßig anstieg und es erste massive Beeinflussungen Seitens seiner Vorgesetzten gab, beschloss er dann bei der ARD aufzuhören. Beispiele für Manipulationen gab und gibt es viele. Ein Bericht über den Angriff auf Afghanistan, welcher von Bildern afghanischer Frauen (ohne Schleier) und tanzenden Afghanen in Jeans begleitet wurde, war ein Fake. Diese Bilder wurden in einer Hotellobby gedreht und kosteten den Qualitätsjournalismus vor Ort ganze 50,- Dollar pro Statist. Als Hörstel daraufhin in die Stadt wollte um die wirkliche Gefühlslage der afghanischen Bevölkerung festzustellen, war plötzlich „senderübergreifend“ kein Interesse an solch authentischen Aufnahmen da. Auch die Bilder jubelnder Palästinenser nach den 911 Anschlägen gehörten in einen ganz anderen Zusammenhang. DAS ist das GEGENTEIL von Journalismus, empört sich Hörstel!!! Früher in den 80ern wurde normalerweise ein Journalist gefeuert wenn er solche Fälschungen begangen hatte, heute ist diese „Fähigkeit“ Grundvoraussetzung um als Journalist bei einem der großen Networks eingestellt zu werden, meint Hörstel weiter.

„Wir müssen den Journalismus wieder auf die ethische Grundrichtung zurückdrehen, also Berichterstattung entlang der Tatsachen und nicht entlang der politischen Absichten“ Christph Hörstel

Auch hochrangige BKA Mitarbeiter wie Michael von Wedel (welcher 25 Jahre für das Bundeskriminalamt tätig war) meint heute, das Hassprediger wie Reda Seyam vom BND nach Deutschland gebracht wurden, damit sie hier ihr Gift versprühen können. Weiter führt er in seinem Buch aus, das Deutsche- sowie US Geheimdienste wissen, wo, wie und von wem jene Autobomben gebaut werden, an denen täglich deutsche- und US Soldaten sterben. „Es wird nichts dagegen unternommen und berichtet wird darüber auch nicht. Ich denke wir haben ein starkes Kontroll- und Medienproblem.“

Genau solchen Leuten sollten wir genauer zuhören! Menschen die eine profunde Ausbildung genossen haben, sich trotz aller Widerstände lange in guten Positionen des Systems haben halten können, um dann aus ethischen Gründen ihren gut bezahlten Job aufzugeben. Es geht hier also um Profis die genau wissen wovon sie reden. Hier wird hohe Professionalität mit Ethik gepaart, eine Tugend die ich in unserer Medienwelt schon fast vergessen glaubte. So keimt in mir etwas Hoffnung auf eine bessere journalistische Qualität der Zukunft...Genau aus diesem Grund freut es mich sehr das Christoph Hörstel nun auf der alternativen Plattform „Alles Schall und Rauch“ über die Ereignisse in Syrien berichtet. Diese Berichte zeichnen ein ganz anderes Bild der Gesamtsituation dort.

Auch wenn Assad nicht unbedingt ein Menschenfreund ist, so muss man doch fair bleiben und anständigen Journalismus betreiben. Und das tut Hörstel, der übrigens in Syrien ungehindert seiner Arbeit nachgehen kann. Es ist also ein Märchen, das westliche Journalisten keinen Zugang nach Syrien haben! Auch die „ach so ehrenwerten Rebellen“ entpuppen sich bei genauerem hinsehen nicht wirklich als unschuldige Opfer. Erst gestern Morgen detonierten in Damaskus zwei Autobomben vor öffentlichen Gebäuden, eine davon vor der Kriminalpolizei. Die Wucht der Explosion zerstörte beide Häuser völlig, was auf eine hohe Qualität der Sprengsätze schließen lässt. Bis jetzt starben 30 Menschen und über 100 wurden verletzt. Friedlicher Protest sieht anders aus und bis jetzt ist kaum was davon in den Mainstreamnachrichten!!! Aber macht Euch selbst ein Bild.

Liebe Grüße

Euer Micha

Christoph Hörstel berichtet über die Anschläge in Syrien:


Bericht von Christoph Hörstel aus Syrien (3) from Freeman on Vimeo.


Quellen:


Wikipedia - Christoph Hörstel
Alles Schall und Rauch - Hörstel berichtet aus Damaskus

You Tube - Ich verließ die ARD

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